Denken in Tönen

Zum Tod des Komponisten und Dirigenten Hans Zender

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Der Titel der letzten Essaysammlung bringt Hans Zenders philosophisches Credo auf den Punkt: «Mehrstimmiges Denken» (Verlag Karl Alber). Musik war für diesen Anwalt einer Moderne, die Fortschritt in der kreativen Auseinandersetzung mit dem Überlieferten sucht, ein offenes Medium, das gleichermaßen Geist und Sinne, Reflexion und Erfahrung, Analyse und Intuition fordert.

Der romantische Geniekult, die durch das Starsystem beförderte Überhöhung des reproduzierenden Subjekts war ihm ebenso suspekt wie eine historistische Aufführungspraxis, die Relevanz und Mehrwert der Werke für die Gegenwart ausblendet.

Einer breiteren Öffentlichkeit war Zender vor allem als Dirigent bekannt. 1936 in Wiesbaden geboren, erlebte schon der Jugendliche in Proben und Konzerten Carl Schuricht, Karl Böhm, Günter Wand und Wilhelm Furtwängler. Seit 1949 besuchte er die Darmstädter Ferienkurse, wo er nicht nur die Techniken der Zweiten Wiener Schule und des frühen Serialismus, sondern auch die modale Kompositionsweise Olivier Messiaens und die aleatorisch-performative Entgrenzung des Musikbegriffs durch John Cage kennenlernte. Die Klavierschule bei Edith Picht-Axenfeld und das Tonsatzstudium bei Wolfgang ...

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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Albrecht Thiemann

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