Notlösungen

Erst kam die Pandemie, dann die Flut: Im Juli flossen zwei Millionen Liter Wasser ins Wuppertaler Opernhaus, die Technik der Unterbühne ist seitdem zerstört. Nun wird in Provisorien und Ersatzspielstätten gespielt

Die Werkstätten der Wuppertaler Bühnen liegen in einem Gewerbegebiet. Autohäuser und Supermärkte reihen sich an der Hauptstraße, außerdem gibt es eine große Tankstelle, eine Striptease-Bar, einen Pizza-Bring-Dienst, eine einsame Bushaltestelle. Der Charme des Ortes ist überschaubar. Doch das Gebäude der Werkstätten öffnet sich in einen erstaunlich geräumigen Malersaal, der nun zum Spielzeitauftakt für Georg Friedrich Händels «Julius Caesar» gezwungenermaßen zur Ersatzspielstätte ohne jeden gastronomischen Service umfunktioniert werden musste.

Ursprünglich sollte Immo Karaman das Werk inszenieren. Da seine bereits fertig konzipierte Regie aber ohne funktionierende Bühnentechnik nicht realisierbar ist, präsentierte das Wuppertaler Leitungsteam die barocke Oper nun als sogenannte Konzertinstallation: Das Werk wurde stark gekürzt und ergänzt durch eingeschobene Lesungen mit Texten aus Niccolò Machiavellis Traktat «Der Fürst», die szenische Einrichtung besorgte Karin Kotzbauer-Bode.

Der Raum will aus der Not eine Tugend machen und eine Rundum-Ästhetik zum Anfassen bieten.  Das Publikum sitzt daher ebenerdig in vier Blöcken, das Orchester ist auf Abstand in der Mitte platziert, zwei ...

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Opernwelt November 2021
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Regine Müller

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Ultimativ machtlos

16 Metallbetten rahmen die Spielfläche, und 16 Küchentische. An langen Seilen pendeln 16 tuchverhangene Wiegen träge aus dem Schnürboden. 16 Uniformen warten auf ihre Träger, die sich wenig später aus den Federn schälen. Und 16 Frauen schälen Kartoffeln. In ihrer Mitte thront die alte Burya in strengschwarzem Pomp, mit einer Reitgerte fuchtelnd. Die Szene erinnert...