Die Kartoffeln des Kaisers
Wie nur wenige Herrscher vor oder nach ihm hat Napoléon Bonaparte Musikgeschichte geschrieben. Musikpolitik war für ihn Machtpolitik, und also versuchte er seinen Ruhm vor allem von der Opernbühne herab zu untermauern, indem er den Franzosen in Gestalt der von ihm favorisierten Komponisten Paisiello, Paër und Spontini den italienischen Geschmack oktroyierte – mit Erfolg, wie die Entstehung der Grand Opéra beweist.
Man kann den Spieß aber auch umdrehen, so wie Arnaud Marzorati und sein Vokalquartett Les Lunaisiens mit ihrer glänzenden Idee, die Laufbahn des Korsen – vom kleinen Korporal bis zum Kaiser der Franzosen und schließlich bis zu seinem einsamen Tod im Exil auf der Atlantik-Insel Sankt Helena am 5. Mai 1821 – gleichsam von unten, aus der Sicht des Volkes, nachzuzeichnen. Napoléon wurde verherrlichtet, verachtet, verspottet und schließlich zum Mythos erhoben – in anonymen Straßenliedern, politischen Chansons, aber auch in Salonromanzen sowie in der Militärmusik. All das versammelt dieses Album in einer bunten Mischung; selbst Paisiello und Cherubini sind mit Originalmärschen für die Garde des Kaisers vertreten.
Marzorati und seinen Mitstreitern gelingt es, aus dieser Melange ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Uwe Schweikert
Etwas ist anders als sonst. Genauer: eine Figur, die das Stück gar nicht vorsieht. In wallendem Gewand schwebt der holde Knabe im lockigen Haar (Felix Hennig) über die Bühne und um die Figuren herum, immer eine oder mehrere Puppen in den Händen, den Blick mit hingebungsvoller Zärtlichkeit auf die Protagonisten gerichtet. Ein Engel mit weißen Flügeln, der nicht nur...
Claudio Monteverdis «Il ritorno d’Ulisse in patria» ermöglicht immense musikalische Freiheiten – die Instrumentation dieser Oper ist bekanntlich nicht überliefert, die «Partitur» enthält nur Melodie- und Gesangslinien sowie den bezifferten Bass. In Pandemie-Zeiten eine ideale Ausgangslage für ein Opernhaus, da eine reduzierte Besetzung möglich ist. Die Dramaturgie...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss (11.10.) als Präsenzvorstellung geplanten oder als Stream angekündigten Premieren und Festivals des Monats November 2021. Weitere Informationen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link: www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML =...
