«Sensibilität ist eine Stärke»
Herr Bernheim, wie würden Sie den Stimmtyp «französischer Tenor» beschreiben? Oder existiert so etwas gar nicht?
Ich glaube, es ist ein Klischee – oder eine Marketingmaßnahme. Wenn etwas typisch sein könnte, dann vielleicht die Farbe. Dieses Silbrige. Anders als die eher goldenen italienischen Stimmen. Man kann es auch über die Komponisten definieren: Französische Stimmen fühlen sich zum Beispiel bei Massenet wohler. Meine Stimme hat sicherlich eher etwas Leichtes, sie ist nicht latinohaft.
Und trotzdem: Wir alle können mit unserer Stimme auf unsere Weise verschiedenes Repertoire bestreiten. Wenn ich also Französisches, Italienisches, Russisches oder Deutsches singe, dann gibt es immer einen klanglichen, farblichen Unterschied. Und dafür ist allein die Sprache verantwortlich, im Italienischen etwa das typische Squillo. Im Russischen kann ich sogar französische und italienische Farben zusammenfließen lassen.
Viele Solistinnen, Solisten, auch Vertreter der Dirigentenzunft sagen: Eine Mozart-Stimme gibt es gar nicht.
Genauso ist es. Fast alle Stimmtypen können Mozart singen. Ein leichter lyrischer Tenor kann den Tamino interpretieren, aber auch eine fast heldische Stimme. Und das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2021
Rubrik: Interview, Seite 30
von Markus Thiel
Künstlerisch zunehmend erfolglos, aber trotzdem nach wie vor ein gefragter «Markenartikel», nahm der alternde Ruggero Leoncavallo das Angebot der Londoner Music Hall «Hippodrome» gerne an, dort eine halbstündige Kurzfassung seiner «Pagliacci» herauszubringen. Der Erfolg war überwältigend. Zweimal täglich wurde diese Version unter seiner Stabführung gespielt, aus...
Die Parolen eines sich weltgeistig-revolutionär gerierenden Polit-Messianismus haben ihre Strahlkraft schon lange verloren. So dicht liegt die Patina der aus katastrophischer Erfahrung erwachsenen Desillusionierung auf den einst mit großen Hoffnungen geladenen Losungen, dass ihre Wirksamkeit heute gegen null tendiert. Und so tief in die Schutthalden der Geschichte...
Der Weg in den Himmel ist steinig. Die Freuden des ewigen Lebens werden einem nicht geschenkt. Die Zeit ist knapp, um ausreichend Gutes zu tun. Weshalb sie einen gleich anmahnt, sie zu nutzen. Zudem ist der Aufstieg ins Licht gepflastert mit Versuchungen irdischen Vergnügens, Verlockungen von Macht, Reichtum und mondänem Glanz. Gäbe es da nicht den «Schutzengel»,...
