Notizen aus der Provinz
Eine gute Oper zu komponieren, dürfte kaum je so schwer gewesen sein wie im Deutschland des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Zwischen Gluck und Mozart, dem deutschen Singspiel und der französischen Revolutionsoper gelang es kaum einem der zahlreichen Hofkomponisten, die oft noch mit den Formmodellen der späten Opera seria groß geworden waren, zu einem markanten Personalstil zu finden.
Den Ansprüchen, die durch die Vielfalt neuer Stoffmöglichkeiten, die Entwicklung des klassischen Sinfonieorchesters und auch die formale Entwicklung des Musiktheaters (etwa groß angelegter Finali und Ensembles) binnen eines Vierteljahrhunderts geradezu schwindelerregend gestiegen waren, konnte auch Johann Rudolf Zumsteeg nur eingeschränkt gerecht werden – obwohl der 1760 geborene Schwabe als Hofkomponist in Stuttgart einen der wichtigsten Posten der deutschen Theaterszene innehatte.
Den Maßstab einer «Zauberflöte» an Zumsteegs 1798 uraufgeführte «Geisterinsel»
anzulegen, wäre freilich verfehlt – auch wenn das Shakespeares «Sturm» nachempfundene Libretto und die Anlage der Charaktere immer wieder die Rezeption dieser Oper durchscheinen lassen. Wer würde beispielsweise bei Prosperos Satz «Es weiche dem ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 28
von Jörg Königsdorf
«Schäm’ dich!» – ein Zuschauer konnte sich nicht zurückhalten, als der römische Bürgermeister Gianni Alemanno vor der «Nabucco»-Premiere auf die Bühne des Teatro dell’Opera trat, um die gravierenden Subventionskürzungen im italienischen Kulturhaushalt anzuprangern, beschlossen von jener Regierung Berlusconi, die Kultur als etwas potenziell «Linkes» und damit...
New York ist für Rossinis «Le Comte Ory» kein Neuland: Nachdem Thomas Schippers die Oper 1962 mit den Philharmonikern und Solisten wie Judith Raskin (Adèle), Shirley Verrett (Isolier) und Norman Treigle (Gouverneur) auf den Spielplan gesetzt hatte, fand das Werk 1979 auch in das Repertoire der City Opera Eingang, geadelt durch so ausgewiesene Rossini-Interpreten...
Er hat es wieder einmal geschafft. Als Gerard Mortier in Madrid das Programm für die nächste Spielzeit des Teatro Real vorstellte, brach ein Sturm der Entrüstung los. Kein Verdi, kein Rossini, kein einziger Puccini 2011/12 – das wollten die Liebhaber des Hauses nicht hinnehmen. Ein Teil der Printmedien sprang dem Protestchor bei: Das königliche Theater, so der...
