Risorgimento und Totenklage
«Schäm’ dich!» – ein Zuschauer konnte sich nicht zurückhalten, als der römische Bürgermeister Gianni Alemanno vor der «Nabucco»-Premiere auf die Bühne des Teatro dell’Opera trat, um die gravierenden Subventionskürzungen im italienischen Kulturhaushalt anzuprangern, beschlossen von jener Regierung Berlusconi, die Kultur als etwas potenziell «Linkes» und damit Kürzenswertes ansieht und deren größter Koalitions-Partei Alemanno selbst angehört.
Seit Wochen machen Kulturschaffende und Politiker auf die verheerenden langfristigen Folgen des Sparpakets «Milleproroge» («Tausend Stundungen») aufmerksam. Denn die darin enthaltene Reduzierung des Kulturfonds FUS (Fondo Unitario dello Spettacolo) betrifft alle darstellenden Künste, Kino, Musik, Forschung und Lehre. So droht den Filmstudios in Cinecittà ebenso das Aus wie Förderprogrammen zur musikalischen Früherziehung oder für die wertvollste Musikbibliothek in Neapel.
Vor diesem deprimierenden Hintergrund begannen am 12. März die offiziellen Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Einheit Italiens: Am 17. März 1861 war Vittorio Emanuele von Savoyen zum ersten italienischen König gekrönt worden und Italien nach jahrhundertelanger ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Sabine Radermacher
«Die Geburt des Films aus dem Geist der Musik» hat Theodor W. Adorno aus der Musik Richard Wagners herausgehört, frei nach Nietzsche. Das Thema Wagner und Film erscheint aber breiter, umfassender, so dass es in dem 400-Seiten-Band, der aus einer Dissertation hervorging, nur als einer von mehreren möglichen Aspekten aufscheint. Das macht die Autorin Sabine Sonntag...
Wenn Eimuntas Nekrosius in Vilnius zur Opernpremiere lädt, ist das für Litauen ein nationales Ereignis. Ursprünglich war sein «Otello» zum 90-jährigen Jubiläum der ersten stehenden Opern-Kompagnie des Landes geplant. Das Debakel seiner «Faust»-Inszenierung an der Mailänder Scala, wofür nicht zuletzt der Streik des Opernchores verantwortlich gemacht wird, stürzte...
Dichter und Philosophen feiern Wiederauferstehung in der Oper. Mathias Pintscher belebte Rimbaud, Peter Ruzicka versuchte es mit Paul Celan und Hölderlin, Wolfgang Rihm und Franz Hummel erweckten Friedrich Nietzsche. Über diesen Trend darf spekuliert werden. Ästhetische Relevanz verbindet sich damit keineswegs immer. Rihms, Ruzickas und Pintschers Adaptionen des...
