Editorial der Ausgabe Mai 2011
Er hat es wieder einmal geschafft. Als Gerard Mortier in Madrid das Programm für die nächste Spielzeit des Teatro Real vorstellte, brach ein Sturm der Entrüstung los. Kein Verdi, kein Rossini, kein einziger Puccini 2011/12 – das wollten die Liebhaber des Hauses nicht hinnehmen. Ein Teil der Printmedien sprang dem Protestchor bei: Das königliche Theater, so der Aufschrei, verabschiede sich «vom Belcanto, vom Realismus, vom Lachen, von den Tränen». Was ist passiert?
Eigentlich gar nichts. Jedenfalls nichts Überraschendes.
Gerard Mortier setzt in Madrid fort, was seine Arbeit immer bestimmt hat, nämlich die Suche nach Antworten auf grundlegende Fragen. Bei einem von «Opernwelt» konzipierten, öffentlichen Podium formulierte er das ganz einfach: «Warum machen wir dieses oder jenes Stück? Was wollen wir damit erzählen? Was will Oper heute? Was kann sie?» Und er ließ keinen Zweifel, dass Werke des 20. Jahrhunderts im Zentrum der Auseinandersetzung stehen müssen (siehe OW 4/2009). Schon in Salzburg war Mortier mit der Forderung nach einem Musiktheater der Gegenwart angeeckt, das mit reiner Traditionspflege bricht: «Ein Kanon von Werken, die wir – wie André Malraux es im ‹Musée imaginaire› ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
Dichter und Philosophen feiern Wiederauferstehung in der Oper. Mathias Pintscher belebte Rimbaud, Peter Ruzicka versuchte es mit Paul Celan und Hölderlin, Wolfgang Rihm und Franz Hummel erweckten Friedrich Nietzsche. Über diesen Trend darf spekuliert werden. Ästhetische Relevanz verbindet sich damit keineswegs immer. Rihms, Ruzickas und Pintschers Adaptionen des...
Vor vier Jahren war Katalonien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Im Rahmenprogramm hatte das Darmstädter Staatstheater vier Werke katalanischer Komponisten im Angebot, eines davon die mit vier Instrumentalisten und drei Sängern besetzte Kammeroper «La Cuzzoni» aus der Feder von Agustí Charles. Seinem erfolgreichen Musiktheaterdebüt sollte nun eine große Oper...
Die Straßburger Bühne ist leer. Darauf nur Cheryl Barker als Emilia Marty. In einer Rückblende führt die 337-jährige Primadonna jenes lebensverlängernde Elixier zum Mund, das ihr Vater um 1600 für Kaiser Rudolf II. braute und das an ihr auszuprobieren war. Damals hieß sie Elina Makropulos, und die Initialen E. M. begleiteten sie denn auch durch ihr – inzwischen...
