Editorial der Ausgabe Mai 2011
Er hat es wieder einmal geschafft. Als Gerard Mortier in Madrid das Programm für die nächste Spielzeit des Teatro Real vorstellte, brach ein Sturm der Entrüstung los. Kein Verdi, kein Rossini, kein einziger Puccini 2011/12 – das wollten die Liebhaber des Hauses nicht hinnehmen. Ein Teil der Printmedien sprang dem Protestchor bei: Das königliche Theater, so der Aufschrei, verabschiede sich «vom Belcanto, vom Realismus, vom Lachen, von den Tränen». Was ist passiert?
Eigentlich gar nichts. Jedenfalls nichts Überraschendes.
Gerard Mortier setzt in Madrid fort, was seine Arbeit immer bestimmt hat, nämlich die Suche nach Antworten auf grundlegende Fragen. Bei einem von «Opernwelt» konzipierten, öffentlichen Podium formulierte er das ganz einfach: «Warum machen wir dieses oder jenes Stück? Was wollen wir damit erzählen? Was will Oper heute? Was kann sie?» Und er ließ keinen Zweifel, dass Werke des 20. Jahrhunderts im Zentrum der Auseinandersetzung stehen müssen (siehe OW 4/2009). Schon in Salzburg war Mortier mit der Forderung nach einem Musiktheater der Gegenwart angeeckt, das mit reiner Traditionspflege bricht: «Ein Kanon von Werken, die wir – wie André Malraux es im ‹Musée imaginaire› ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
New York ist für Rossinis «Le Comte Ory» kein Neuland: Nachdem Thomas Schippers die Oper 1962 mit den Philharmonikern und Solisten wie Judith Raskin (Adèle), Shirley Verrett (Isolier) und Norman Treigle (Gouverneur) auf den Spielplan gesetzt hatte, fand das Werk 1979 auch in das Repertoire der City Opera Eingang, geadelt durch so ausgewiesene Rossini-Interpreten...
Auf einen Sturm und peitschendes Wasser wartet man vergeblich. Der neue «Otello» in Heidelberg, die erste Arbeit des Regisseurs Alexander Fahima an einem größeren Stadttheater, ist das Gegenteil einer realistischen Lesart: abstrakt und stilisiert bis in die Kostüme. Bühnenbildner Bart Wigger hat eine schwarz geteerte Mauer aus Holz errichtet. Anklänge an die...
Karol Szymanowskis Oper «Król Roger» (1926) ist ein extrem vielschichtiges Werk: Die drei Akte spiegeln die Symbiose byzantinischer, arabischer und griechisch-antiker Elemente im Sizilien König Rogers II. (1. Hälfte 12. Jh.). Die Handlung (sofern man bei dem oratorienhaft statischen Stück von Handlung sprechen kann) folgt den «Bakchen» des Euripides, der Antagonist...
