Nosferatu lässt grüßen
Es besitzt einen gewissen Zynismus, dass sich der erste große Publikumserfolg der Ära Res Bossharts am Meininger Theater erst nach dem Rauswurf des umstrittenen Intendanten einstellt. Denn obwohl es noch Bosshart gewesen war, der den Berliner Videofilmer und Politikersohn Philipp Stölzl für den «Freischütz» engagiert hatte, wird die Lorbeeren dafür nun sein als Nothelfer aus Ulm hergeholter Nachfolger Ansgar Haag ernten.
Und die Produktion, der das Kunststück gelingt, sowohl das konservativere Publikum als auch die Anhänger hinterfragenden Regietheaters zu befriedigen, wird nun unversehens zum Symbol eines Neubeginns. Für das Theater und seine dramatisch gesunkenen Auslastungszahlen ist das freilich ein Segen: Wenn etwas die von Experimenten Bossharts den vergrätzten Abonnenten wieder zurück in ihr Theater locken kann, dann ist es dieser «Freischütz». Wie man es von einem Regisseur erwarten kann, der seinen Sohn Carl Maria nennt, ist er mit äußerster Liebe zum Stück dabei, zeigt getreu jedes Detail von der Wolfsschlucht-Eule bis zum veilchenblauen Jungfernkranz. Sogar die von Weber noch vor der Premiere gestrichene Eremitenszene kommt (wie einst in Achim Freyers legendärer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Demokratischer als zur Eröffnung der neuen Spielzeit am Teatro «G. B. Pergolesi» in Jesi in der Adria-Region Marken hätte es in einem Opernhaus nicht zugehen können. Wann bietet sich Premierenbesuchern sonst die Möglichkeit, selbst darüber zu befinden, welche Ouvertüre den Auftakt zum Abend geben sollte? Kurz vor Beginn durften die Zuschauer das Stück ihrer...
Roberto de Simone, erfahrener neapolitanischer Musik- und Theatermann, erfüllte sich einen alten Traum, indem er Paisiellos komische Oper «Socrate immaginario» aus dem Jahr 1775 im Teatro San Carlo inszenierte. Von seinem Musiklehrer Anfang der fünfziger Jahre auf die Buffa aufmerksam gemacht, ließ ihn diese spöttisch-ironische Burleske, bei der sich die...
Herr Konold, Sie sind seit diesem Jahr als Nachfolger von Wolfgang Gönnenwein künstlerischer Leiter der Ludwigsburger Festspiele und gleichzeitig Intendant des Staatstheaters Nürnberg. Was hat Sie an dieser Aufgabe und an dieser Doppelrolle gereizt?
Zwei Dinge. Zum einen: Ich vergleiche ein Staatstheater mit fünfhundert Mitarbeitern immer mit einem Supertanker. Sie...
