Nosferatu lässt grüßen

Meiningen, Weber: Der Freischütz

Opernwelt - Logo

Es besitzt einen gewissen Zynismus, dass sich der erste große Publikumserfolg der Ära Res Bossharts am Meininger Theater erst nach dem Rauswurf des umstrittenen Intendanten einstellt. Denn obwohl es noch Boss­hart gewesen war, der den Berliner Videofilmer und Politikersohn Philipp Stölzl für den «Freischütz» engagiert hatte, wird die Lorbeeren dafür nun sein als Nothelfer aus Ulm hergeholter Nachfolger Ansgar Haag ernten.

Und die Produktion, der das Kunststück gelingt, sowohl das konservativere Publikum als auch die Anhänger hinterfragenden Regietheaters zu befriedigen, wird nun unversehens zum Symbol eines Neubeginns. Für das Theater und seine dramatisch gesunkenen Auslas­tungszahlen ist das freilich ein Segen: Wenn etwas die von Experimenten Bossharts den vergrätzten Abonnenten wieder zurück in ihr Theater locken kann, dann ist es dieser «Freischütz». Wie man es von einem Regisseur erwarten kann, der seinen Sohn Carl Maria nennt, ist er mit äußerster Liebe zum Stück dabei, zeigt getreu jedes Detail von der Wolfsschlucht-Eule bis zum veilchenblauen Jungfernkranz. Sogar die von Weber noch vor der Premiere gestrichene Eremitenszene kommt (wie einst in Achim Freyers legendärer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2005
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Lob der Promiskuität

«Das Schicksal hier in Bonn», schrieb Beethoven 1787, «ist mir nicht günstig» und verließ die Rheinstadt in Richtung Wien. Doch seit den Plänen für ein Beethoven-Denkmal im Todesjahr des Komponisten versucht man dort, die Dinge zu verbessern. So im Ringen um Beethovens Schmerzenskind «Fidelio», für den etwa Nikolaus Lehnhoff 1983 anstelle der Dialogtexte auf die...

Verdi: Aida

In Theorie und Bühnenbild wirkt es schlüssig: die 1871 in Kairo uraufgeführte «Aida» ebendort anzusiedeln – nämlich in der luxuriösen Lobby eines britischen Kolonialhotels während des Krieges zwischen Großbritannien und Äthiopien (1876) und der Besetzung Ägyptens (1882) (Bühne: Dieter Richter). Doch im Laufe des Abends erweist sich, dass dieses Konzept nur an der...

Zu neuen Ufern

Der große Aufbruch war es noch nicht. Aber das war nach zweiunddreißig am Ende nur noch quälend langen Jahren seines Vorgängers auch nicht zu erwarten. Wulf Konold, der die Ludwigsburger Festspiele seit diesem Jahr als Nachfolger des höchst widerstrebend gegangenen Wolfgang Gönnenwein leitet, beließ zunächst einmal vieles beim Alten – angesichts der kurzen...