Feministisch
Wer die dritte Aufführung der neuen «Carmen» an der Met erlebte, bekam wahrscheinlich einen besseren Eindruck von den Intentionen der Regisseurin Carrie Cracknell und des Dirigenten Daniele Rustioni als zur Premiere: Piotr Beczała, der vorgesehene Don José, hatte die ersten beiden Aufführungen krankheitsbedingt verpasst. Glaubt man den Kritiken und einer Rundfunkübertragung mit dem Einspringer Rafael Davila, blieben Rustionis Tempi da noch schleppend, während er am besuchten Abend eine dynamische, in der narrativen Entwicklung indes schwache Lesart ablieferte.
Cracknell, in der Oper unerfahren, siedelt den ersten Akt vor einer schwer bewachten, von Metallzäunen umgebenen Rüstungsfabrik an. Besser machen sich die futuristischen Bühnenbilder von Michael Levine in den späteren Akten, während Tom Scutts Kostüme wahllosen Film- und Fernsehbildern eines working class America folgen. Ohne Autos auf der Bühne scheint es indes nicht mehr zu gehen: ein gestohlener Sattelschlepper als Lillas Pastias Kneipe, mehrere Pickups für die Choristen, ein schickes rotes Cabrio für Escamillo. Es hat schon bessere Ideen gegeben ...
Es war überfällig, dass eine Frau «Carmen» an der Met inszeniert. Aber ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Panorama, Seite 45
von David Shengold
Das Vorwort ist ein Gedicht. Kraftvoll, wortmächtig, poetisch aufgeladen. Geschrieben hat es ein Mitstreiter aus guten, alten Zeiten, der (hochbegabte) Schauspieler und (nicht ganz so begabte) Regisseur Sven-Eric Bechtolf. Und mag er Jürgen Flimm, diesem großen, am 4. Februar 2023 verstorbenen (Musik-)Theatermann, auch einen schmucken Lorbeerkranz ums Haupt winden,...
Das Bonmot hat das Zeug zum Kult: «Am Anfang war der Rhythmus.» Und mochte dieser apodiktische Ausspruch eines Klavierprofessors der Detmolder Musikhochschule auch auf einen seiner Studenten gemünzt sein, der bei aller Expressivität den Takt nicht so akkurat zu halten vermochte wie von höherer Stelle erbeten, so besitzt er doch bis heute Gültigkeit: Eine...
Zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn ist der Bismarckplatz neben dem Theater unerreichbar, zumindest für Autofahrer. Derbe Protestrufe, Transparente, Polizei, einmal fahren Blaulicht-Busse durch die angrenzende Fußgängerzone. Für Regensburg sind drei Demonstrationen eine harte Nuss. Der Mittelstand verschafft sich Gehör und stänkert gegen die Ampelkoalition. Vor...
