Spiel der Herzen
Man muss nicht immer Opern gegen den Strich bürsten. Stoffe wie «Così fan tutte» entfalten gerade ohne krampfhafte Aktualisierung großen Reiz. Bei der Züricher Neuproduktion verlegt Sven-Eric Bechtolf die Geschichte in die Entstehungszeit des Werkes. Im wissenschaftsgläubigen Zeitalter der Aufklärung ist der von Don Alfonso (präsent: Oliver Widmer) angeregte Frauentreuetest ein Experiment. Die erste Szene auf der noch verengten Bühne wirkt wie ein Prolog. In einer Glasvitrine im Hintergrund stehen Tierskelette, Metronome, Apothekerfläschchen und Schmetterlingssammlungen.
Die Männer tragen Perücken und weiße Gehröcke (Kostüme: Marianne Glittenberg). Welche Irrungen und Wirrungen in der folgenden Versuchsanordnung in Gang gesetzt werden, hört man bereits in der Ouvertüre. Das Tempo, das Franz Welser-Möst im schnellen Teil anschlägt, ist extrem schnell. Die Imitationen der Holzbläser sind hart an der Grenze des Spielbaren, die Ablösungen zunächst noch etwas verwackelt. Aber schon bald hat sich das mit Barocktrompeten, Naturhörnern und Hammerflügel historisierte Orchester der Züricher Oper freigespielt. Franz Welser-Möst ist ganz nah bei den Sängern. Solche Pianokultur erlebt man ...
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In meinem Besitz befindet sich ein Papiertischtuch. Es ist fleckig und mit drei verschiedenen Handschriften bekritzelt: links jene von Rolf Borzik, dem früh verstorbenen Bühnenbildner und Lebensgefährten von Pina Bausch; in der Mitte jene der großen Tanzpoetin, rechts die des damaligen Wuppertaler Musikdramaturgen und Schreibers dieser Zeilen. Es ist ein Tischtuch...
Zwischen 1760 und 1780 genoss kein italienischer Komponist in Europa höheres Ansehen als der 1728 in Bari geborene Niccolò Piccinni (eigentlich: Nicola Vito Picinno). Mozarts Bemerkung in einem 1778 aus Paris geschickten Brief an den Vater, «dass ich so viell kann als [...] Piccini – obwohl ich nur ein Teütscher bin», spricht für sich. Heute steht von den mehr als...
Die Tendenz ist offenkundig: Viele junge Regisseure, Regie- und Bühnenbildstudierende haben kaum Interesse daran, die bekannten rund sechzig Opern einfach weiter auszupressen, auf der Suche nach einem neuen Sinn. Andererseits: Die Oper fasziniert. Dass sie mit dem Leben hier und heute nichts oder nur wenig zu tun hat, das will eigentlich niemand wirklich...
