Spiel der Herzen
Man muss nicht immer Opern gegen den Strich bürsten. Stoffe wie «Così fan tutte» entfalten gerade ohne krampfhafte Aktualisierung großen Reiz. Bei der Züricher Neuproduktion verlegt Sven-Eric Bechtolf die Geschichte in die Entstehungszeit des Werkes. Im wissenschaftsgläubigen Zeitalter der Aufklärung ist der von Don Alfonso (präsent: Oliver Widmer) angeregte Frauentreuetest ein Experiment. Die erste Szene auf der noch verengten Bühne wirkt wie ein Prolog. In einer Glasvitrine im Hintergrund stehen Tierskelette, Metronome, Apothekerfläschchen und Schmetterlingssammlungen.
Die Männer tragen Perücken und weiße Gehröcke (Kostüme: Marianne Glittenberg). Welche Irrungen und Wirrungen in der folgenden Versuchsanordnung in Gang gesetzt werden, hört man bereits in der Ouvertüre. Das Tempo, das Franz Welser-Möst im schnellen Teil anschlägt, ist extrem schnell. Die Imitationen der Holzbläser sind hart an der Grenze des Spielbaren, die Ablösungen zunächst noch etwas verwackelt. Aber schon bald hat sich das mit Barocktrompeten, Naturhörnern und Hammerflügel historisierte Orchester der Züricher Oper freigespielt. Franz Welser-Möst ist ganz nah bei den Sängern. Solche Pianokultur erlebt man ...
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