Nicht nur Lenyas Jenny
Zu den stärksten Operneindrücken meiner Schulzeit gehört die legendäre Münchner «Traviata» von 1965, in der an der Seite von Fritz Wunderlich und Hermann Prey eine junge Kanadierin griechischer Herkunft ihren Einstand gab, die in Deutschland bis dahin noch niemand kannte: Teresa Stratas. Sie war das Traumbild einer Kameliendame, ganz femme fragile, tief ergreifend in ihrer Liebesleidenschaft und ihrem unsentimental ausgespielten Edelmut, und mit einer Stimme begabt, die «in die Tiefe des Herzens» zu dringen verstand.
Schon damals kündigte sich eine Gesangskünstlerin von epochaler Bedeutung an, die in ihrem (lyrischen) Fach mit einem ungewöhnlich vielseitigen Repertoire das Erbe einer Callas, einer Rysanek oder einer Borkh antreten und weiterführen würde.
Als Anastasia Strataki in Toronto geboren, studierte sie am Konservatorium ihrer Heimatstadt bei Irene Jessner Gesang und debütierte, erst zwanzigjährig, am dortigen Opernhaus als Mimì. 1959 gewann sie den von der New Yorker Met veranstalteten Wettbewerb «Auditions of the Air», was ihr ein Engagement an diesem Institut einbrachte, dem sie dann, mit Unterbrechungen, mehr als drei Jahrzehnte angehörte. Von New York aus startete ...
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