Händel: Tamerlano
Auf der Riesenbühne des Nationaltheaters ein kleines Barocktheater nachbauen zu wollen, ist schlicht absurd. Aber da Münchens neuer «Tamerlano» mit Drottningholm koproduziert wurde, verfielen Regisseur Pierre Audi und Bühnen- und Kostümbildner Patrick Kinmonth auf die Idee, einfach ein paar grüne, goldverzierte Portalhänger in den Bühnenraum einzupassen.
Dazu passende Barockkostüme, ein paar variable Gänge und Haltungen sowie einen Stuhl, den man umkreisen, an dem man sich festhalten und auf dem man sich in höchster Erregung wie auf einen Thron niedersetzen kann, statt ihn in die Kulisse zu werfen. Fertig ist die Inszenierung!
Wie tröstlich, dass die sechs Sänger rein musikalisch fesselten: allen voran Maite Beaumont als verstoßene Verlobte des Tatarenfürsten Tamerlano, die mit dem Furor einer Donna Elvira und einem farbigen, voll klingenden und doch enorm beweglichen Mezzo sang und spielte. Ein hellere, schlankere, weichere und androgynere Stimme setzte Mary-Ellen Nesi für Andronico, den Vertrauten Tamerlanos, ein, Sarah Fox als Asteria einen wunderbar instrumental und oft vibratolos geführten Sopran.
John Mark Ainsley hatte als von Tamerlano besiegter und gefangen gehaltener ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Drei verschiedene Höllen hat Puccini in seinem «Trittico» zu einem Inferno der Leidenschaften zusammengestellt, und alle sind sie tödlich: die Eifersuchtstragödie des «Mantels», das verpfuschte Leben der Nonne Angelica und die aus Dantes «Göttlicher Komödie» entlehnte Komödie um den raffgierigen Erbschleicher Gianni Schicchi, die als Auslöser des Tods des alten...
Es muss nicht immer der Kanon sein. Auch in den Moskauer Opernhäusern bemüht man sich um die Werke, die man im Mainstream vergeblich sucht. Gleich drei Produktionen legten davon Zeugnis ab.
Am Musiktheater Stanislawski und Nemirowitsch-Dantschenko (MTSNM) stand «Die Mainacht» von Rimsky-Korsakow auf dem Spielplan. Nicht gerade ein Meisterwerk, aber ein...
Der erste Schock stellt sich ein, wenn der Vorhang hochgeht. Man fühlt sich in ein Filmstudio oder ins Laientheater versetzt: links das Portal einer Kirche – die Handlung spielt 1414 zur Zeit des Konstanzer Konzils –, rechts das schmucke Fachwerkhaus des jüdischen Goldschmieds Eléazar, dazwischen ein Platz, der den Blick auf einen Wehrgang freigibt. Ein...
