Neues Licht
Von Pergolesi waren bis vor Kurzem mehr ihm untergeschobene oder fälschlich zugeschriebene Werke im Umlauf als echte. Das Verhältnis von authentischen zu unechten Kompositionen beträgt eins zu zehn – einer der höchsten Werte in der gesamten Musikgeschichte. Umso größer ist die Überraschung, wenn jetzt erstmals zwei umfangreiche Werke des früh verstorbenen Neapolitaners als Ersteinspielungen vorgelegt werden – die Messe in D-Dur sowie eine gänzlich neu aufgefundene Marien-Motette.
Beide Veröffentlichungen sind dem Mailänder Centro Studi Pergolesi zu verdanken, wobei der schlecht überlieferte Mottetto «Dignas laudes resonemus» (was das Booklet schamhaft herunterspielt) rekonstruiert und ergänzt werden musste – in welchem Umfang bleibt offen. Dennoch ist er, im Hinblick auf Pergolesis weitere Entwicklung, die sensationellere Entdeckung. Denn hier dialogisieren die trauernde Maria und der wiederauferstandene Jesus auf geradezu opernhafte Weise miteinander, ja vereinen sich ihre Stimmen sogar zu einem fast zehnminütigen förmlichen Duett, das mit seiner einschmeichelnden Empfindsamkeit bereits die schmerzvolle Schönheit des berühmten «Stabat mater» ahnen lässt.
Die Kantaten-Messe ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Uwe Schweikert
Shakespeare passt immer, und die internationale Gesellschaft, die eigentlich zur Krönung von Charles X. Philippe nach Reims will, könnte auch Richard den Dritten zitieren: «A horse! A horse! My kingdom for a horse!» Vielleicht nicht gleich ein ganzes Königreich, aber doch anständige Summen würden die in Plombières-les-Bains gestrandeten Herrschaften für Gäule...
Wie kein anderes italienisches Haus setzt das Teatro Regio in Parma auf szenische Vielfalt. Sieben Monate nach Graham Vicks hochkontroversem neuem «Stiffelio» läuft jetzt die «Tosca»-Inszenierung von Alberto Fassini (genau wie Scarpia ein sizilianischer Baron, apropos Wahlverwandtschaften), die seit ihrer Premiere 1999 Kultstatus genießt.
Wir haben die Produktion...
Seit mehr als 40 Jahren leistet in Salzburg das Festival «Aspekte» wertvolle Dienste für Musik unserer Zeit. Seit 2006 setzt der Komponist und Pädagoge Ludwig Nussbichler als künstlerischer Leiter klare thematische Schwerpunkte. Für die heurige Ausgabe fand er das Motto «Moving Pictures». Der tönende Blick in die Welt des Films sollte mehr als nur illustrative...
