Neues Licht
Von Pergolesi waren bis vor Kurzem mehr ihm untergeschobene oder fälschlich zugeschriebene Werke im Umlauf als echte. Das Verhältnis von authentischen zu unechten Kompositionen beträgt eins zu zehn – einer der höchsten Werte in der gesamten Musikgeschichte. Umso größer ist die Überraschung, wenn jetzt erstmals zwei umfangreiche Werke des früh verstorbenen Neapolitaners als Ersteinspielungen vorgelegt werden – die Messe in D-Dur sowie eine gänzlich neu aufgefundene Marien-Motette.
Beide Veröffentlichungen sind dem Mailänder Centro Studi Pergolesi zu verdanken, wobei der schlecht überlieferte Mottetto «Dignas laudes resonemus» (was das Booklet schamhaft herunterspielt) rekonstruiert und ergänzt werden musste – in welchem Umfang bleibt offen. Dennoch ist er, im Hinblick auf Pergolesis weitere Entwicklung, die sensationellere Entdeckung. Denn hier dialogisieren die trauernde Maria und der wiederauferstandene Jesus auf geradezu opernhafte Weise miteinander, ja vereinen sich ihre Stimmen sogar zu einem fast zehnminütigen förmlichen Duett, das mit seiner einschmeichelnden Empfindsamkeit bereits die schmerzvolle Schönheit des berühmten «Stabat mater» ahnen lässt.
Die Kantaten-Messe ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Uwe Schweikert
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