Auferstanden
Wie kein anderes italienisches Haus setzt das Teatro Regio in Parma auf szenische Vielfalt. Sieben Monate nach Graham Vicks hochkontroversem neuem «Stiffelio» läuft jetzt die «Tosca»-Inszenierung von Alberto Fassini (genau wie Scarpia ein sizilianischer Baron, apropos Wahlverwandtschaften), die seit ihrer Premiere 1999 Kultstatus genießt.
Wir haben die Produktion erstmals 2002 in der Tokioter NHK Hall gesehen – vor einem bestürzten Publikum, das mit Regietheater noch keine Erfahrung hatte.
Was für ein Schock damals die güldene Prozession, die über den verzerrten Gewölben von Sant’Andrea della Valle schwebt! Die verqueren Treppen, das riesige Fenster des Palazzo Farnese, der sechs Meter hohe, graue Erzengel zwischen Krieger und pausbäckigem Epheben! Expressionistische Albträume im Dr. Caligari-Stil, in deren Schatten die Menschengestalten bei ihrem Treiben – Politik, Liebe, Verrat, Verbrechen – winzig wie Ameisen wirken.
Spielt die Handlung 1800 oder zu irgendeiner anderen Zeit? Der Abend war eine Lehrstunde der Geschichtsentfremdung jenseits diverser Theatertraditionen, die später etwa in Eimuntas Nekrosius’ denkwürdigem «Boris Godunow» ihren Widerhall fanden. Nach Fassinis Tod ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Carlo Vitali
Zum 100. Geburtstag von Bernd Alois Zimmermann werden seine Werke fast überall gespielt – nicht nur große Herausforderungen wie «Die Soldaten», sondern auch Orchestrales, Konzerte, sogar die Brotarbeiten fürs Radio und Unterhaltungsensembles. Sie selbst dirigieren in dieser Spielzeit neben der Oper viele Stücke von Zimmermann – ist der für Sie eine alte Liebe?
Inter...
Darf ein Countertenor Rossini singen? Die Frage ist so sinnvoll oder so sinnlos wie die nach Bach auf dem Steinway oder – vermutlich hier treffender – die nach Schubert auf dem Cembalo. Natürlich darf er, wenn das künstlerische Resultat überzeugt. Max Emanuel Cenčić überzeugt in den beiden Arien des Malcolm aus Rossinis «La donna del lago», die er schon 2007 auf CD...
Polen ist bislang nicht als Zentrum für Alte Musik und genuine Aufführungspraxis bekannt gewesen. Doch das ändert sich. Gerade fiel der Countertenor Kacper Szelążek in Amsterdam bei der Aufführung von Stefano Landis Tragicommedia «Morte d’Orfeo» auf (siehe OW 5/2018). Nun hat sein Kollege Jakub Józef Orliński mit der Mezzosopranistin Natalia Kawałek, die regelmäßig...
