Auferstanden
Wie kein anderes italienisches Haus setzt das Teatro Regio in Parma auf szenische Vielfalt. Sieben Monate nach Graham Vicks hochkontroversem neuem «Stiffelio» läuft jetzt die «Tosca»-Inszenierung von Alberto Fassini (genau wie Scarpia ein sizilianischer Baron, apropos Wahlverwandtschaften), die seit ihrer Premiere 1999 Kultstatus genießt.
Wir haben die Produktion erstmals 2002 in der Tokioter NHK Hall gesehen – vor einem bestürzten Publikum, das mit Regietheater noch keine Erfahrung hatte.
Was für ein Schock damals die güldene Prozession, die über den verzerrten Gewölben von Sant’Andrea della Valle schwebt! Die verqueren Treppen, das riesige Fenster des Palazzo Farnese, der sechs Meter hohe, graue Erzengel zwischen Krieger und pausbäckigem Epheben! Expressionistische Albträume im Dr. Caligari-Stil, in deren Schatten die Menschengestalten bei ihrem Treiben – Politik, Liebe, Verrat, Verbrechen – winzig wie Ameisen wirken.
Spielt die Handlung 1800 oder zu irgendeiner anderen Zeit? Der Abend war eine Lehrstunde der Geschichtsentfremdung jenseits diverser Theatertraditionen, die später etwa in Eimuntas Nekrosius’ denkwürdigem «Boris Godunow» ihren Widerhall fanden. Nach Fassinis Tod ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Carlo Vitali
Nicola Raab hat im Dezember 2017 gezeigt, dass man Zandonais «Francesca da Rimini» nicht im Plüsch ertränken muss. Der «decadentismo» dieser blutigen Tragödie aus dem Jahre 1914 fokussiert auf Gewalt, wie sie so oft den Umgang zwischen den Geschlechtern konditioniert. In Straßburg hatte sich Raab die Perspektive der Titelheldin zu eigen gemacht. An der Mailänder...
Shakespeare passt immer, und die internationale Gesellschaft, die eigentlich zur Krönung von Charles X. Philippe nach Reims will, könnte auch Richard den Dritten zitieren: «A horse! A horse! My kingdom for a horse!» Vielleicht nicht gleich ein ganzes Königreich, aber doch anständige Summen würden die in Plombières-les-Bains gestrandeten Herrschaften für Gäule...
Herrlich, diese Karikatur! Vier Komponisten (Siegfried Wagner, Max Reger, Richard Strauss, Eugen d’Albert) und ein Dirigent (Arthur Nikisch) stehen da, mehr oder minder gramgebeugt und recht ratlos, wie es scheint, um einen Flügel herum. Auf einem Stuhl davor ein Winzling, dessen zarte Füße nicht einmal im Traum an die Pedale reichen würden, dessen (bebrilltes)...
