Parodie pur

Rossini: Il viaggio a Reims
Graz | Oper

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Shakespeare passt immer, und die internationale Gesellschaft, die eigentlich zur Krönung von Charles X. Philippe nach Reims will, könnte auch Richard den Dritten zitieren: «A horse! A horse! My kingdom for a horse!» Vielleicht nicht gleich ein ganzes Königreich, aber doch anständige Summen würden die in Plombières-les-Bains gestrandeten Herrschaften für Gäule geben, die sie in die Kathedralen- und Champagnerstadt brächten.

Doch auch hier misslingt der Deal; das Stück endet freilich nicht mit Totschlag wie zum schlechten Ende des fiesen Richard, sondern im Gegenteil mit einer aufgedrehten Fête. Denn Rossinis Nonsense-Kantate war spätestens in ihrem Finale zugleich heimtückisch auskomponierte Karikatur – ganz im Sinne der sarkastischen Kritik des zeitgenössischen Frankreich an der ultrareaktionären Politik des (Im-)Potentaten Karl X.    

Die Aktualität des Werks reichte kaum übers Krönungsjahr 1825 hinaus, und so recycelte Rossini einige der Nummern für eine andere Oper, «Le comte Ory». Als dann «Il viaggio a Reims» 1984, fast 160 Jahre nach der Uraufführung, beim Festival in Pesaro wieder auf der Bühne auftauchte wie das Kaninchen aus des Zauberers Hut, jubelte die Fachwelt. Man ...

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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gerhard Persché

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