Neue Mitte
Einer der besten französischen Tenöre derzeit ist eigentlich Gastarbeiter. Der US-Amerikaner Bryan Hymel wird für Partien à la Berlioz geholt, bei denen es für die Kollegen schnell heikel wird. Und das Beste: Der 38-Jährige gibt nicht die Stratosphären-Trompete, überzeugt vielmehr mit Stilbewusstsein, idiomatischer Textbehandlung und verblüffender Leichtigkeit. So reflektiert, wie er singt, begegnet Hymel auch dem Opernbusiness
Herr Hymel, Sie sind vor einiger Zeit in der Münchner «Bohème» aufgetreten.
Otto Schenks Inszenierung datiert aus dem Jahr 1969 – ist das wie Singen im Museum? Oder Erholung vom bösen Regietheater?
Weder noch. Es gibt natürlich Libretto-Vorgaben. Paris, das Quartier Latin, das Künstlerumfeld ... Ich glaube aber, dass sich «Bohème»-Inszenierungen auf eine allmähliche und wichtige Weise weiterentwickelt haben – wie es auch bei «Carmen» passiert ist. Ich fand die Pariser Weltall-Lösung von Claus Guth interessant. Rodolfo, der in seinem Leben strandet und weiß, dass er sterben muss, vergegenwärtigt sich Mimìs Tod. Darüber kann man diskutieren. Das Regie-Pendel bewegt sich ohnehin mal in die eine, mal in die andere Richtung. Schauen wir doch in die USA. Abseits ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Interview, Seite 34
von Markus Thiel
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Ein Sonntagmorgen in Kassel. Die Stadt liegt noch im Schlummer. Auch rund ums Staatstheater am Friedrichsplatz sind nur einige versprengte Frühjogger zu sehen. Doch in einem der Zimmer brennt Licht. Und dort empfängt, nur zehn Stunden nach der begeistert aufgenommenen Premiere von Leoš Janáčeks «Jenůfa», Francesco Angelico zum Gespräch.
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Pierre Audi
Der Kapitän geht von Bord. Nach 30 Jahren an der Spitze verlässt Pierre Audi die Nationale Opera in Amsterdam, um das Festival von Aix-en-Provence sowie die Park Avenue Armory in New York zu leiten. Zum Abschied inszeniert er Stefano Landis «La morte d’Orfeo» und kuratiert letztmalig das von ihm 2016 initiierte Opera Forward Festival. Wir sind dabei
J...
