Pralles Volkstheater

Mozart: Don Giovanni
Cottbus | Staatstheater

Opernwelt - Logo

Auf Martin Schüler ist Verlass: Der Intendant des Staatstheaters Cottbus macht immer «Kultur für alle», bringt im letzten verbliebenen Opernhaus des Landes Brandenburg Musiktheater so auf die Bühne, dass sowohl seine Ü65-Stammgäste als auch zwangsbeglückte Schulklassen Spaß daran haben. Mögen sich andere darüber den Kopf zerbrechen, ob man in Zeiten von #MeToo Don Giovanni nicht als Urvater aller Harvey Weinsteins zeigen müsste – Schüler inszeniert lieber pralles Volkstheater, ein Dramma giocoso mit deutlicher Betonung auf dem zweiten Wort.

Und sein Ensemble zieht dabei spielfreudig mit. Die Gestik der (stimmlich durchaus mit feinherber Noblesse überzeugenden) Sara Rossi Daldoss als Gast-Anna wirkt hölzern im Vergleich zur eingeschworenen Hausmannschaft, die selbst in den groteskesten Situationen mit beherzter Natürlichkeit agiert.

Christian Henneberg bringt optisch wie vokal alles für den Titelhelden mit und hat auch sichtlich Spaß daran, der Unwiderstehliche zu sein. Während des Balkonständchens steigt er ins Parkett herab, schnappt sich eine Zuschauerin, beginnt einen wirklich heißen Flirt mit ihr – bis Masetto und seine Mannen auftauchen: Blitzschnell hat er sich da hingesetzt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Frederik Hanssen

Weitere Beiträge
Auftrieb durch Anspruch

Um die südlichste Landeshauptstadt Österreichs zu erreichen, muss man von der Magistrale zwischen München und Wien abbiegen und das Massiv des Tauerngebirges unterfahren. Das 1910 zum 60. Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. in Klagenfurt eingeweihte «Jubiläums-Stadt-Theater» liegt so gesehen in einer Art geschützten Zone, ist durch seine Lage im...

Im Zweifel gegen den Angeklagten

«Wie man wird, was man ist» – Friedrich Nietzsches Sentenz wird im Sammelband von Jürgen Schläder und seinen Studenten allein auf die Gründungsgeschichte der Bayerischen Staatsoper und auf die Zeit zwischen der Weimarer Republik und den späten 1960er-Jahren bezogen. Der Leser aber gewinnt auf fast jeder Seite den Eindruck, hier liege eine Geschichtsschreibung ex...

Fabelhafter Irrsinn

«Was für ein buntes Publikum!», ruft Feuerwehr-Käpt’n Shaw mit Blick auf die grauen Löckchen im Saal, wo – typisch Matinee! – schaler Kaffeeatem und weihrauchlastige Parfüms die Luft verdicken. «Ich sehe das Bürgertum – und die gehobene Mittelschicht. Ein wahrer Schmelztiegel!» Die Mittelschicht jauchzt entzückt. Bissiges für alle, Sarkasmus ohne Ende: Der Ton ist...