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Gounod: Faust
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In ihrem gerade erschienen Band «Auch morgen. Politische Texte» geht die Schriftstellerin Nora Bossong der Verführung durch das Böse auf den Grund ‒ und führt den Joker aus den «Batman»-Filmen als Musterbeispiel für die psychopathisch grinsende Anarchie des Bösen an.

Dagegen erscheint ihr Goethes Mephisto weit harmloser, eher ein Vertreter höfischer Diplomatie als des modernen Vernichtungskriegs: «Das Goethesche Böse ist Verführung und zynischer Witz, ist eine Wette auf die Freiheit, aber nicht auf das Chaos, und man spürt hinter allem noch die sichere Ordnung, als fände selbst die Walpurgisnacht im Lesesaal einer humanistischen Bibliothek statt.»

In Johannes Eraths Kölner Inszenierung von Gounods «Faust» findet die Walpurgisnacht zwar nicht in einer Bibliothek, sondern in einer Art Frontlazarett oder Irrenhaus statt. Das Böse aber ist auch hier, auf der Bühne des Staatenhauses, keine wirkliche Bedrohung der Ordnung durch das Chaos. Méphistophélès gibt wieder einmal den trickreichen Taschenspieler ohne wirkliche Abgründe. Samuel Youn singt ihn mit kantiger, auch verführerischer Bassgewalt ‒ spielt ihn aber weitgehend als Charge, die keine Gelegenheit versäumt, sich eine Kippe ...

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Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Michael Struck-Schloen

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