Neu entdeckt
In ihrem gerade erschienen Band «Auch morgen. Politische Texte» geht die Schriftstellerin Nora Bossong der Verführung durch das Böse auf den Grund ‒ und führt den Joker aus den «Batman»-Filmen als Musterbeispiel für die psychopathisch grinsende Anarchie des Bösen an.
Dagegen erscheint ihr Goethes Mephisto weit harmloser, eher ein Vertreter höfischer Diplomatie als des modernen Vernichtungskriegs: «Das Goethesche Böse ist Verführung und zynischer Witz, ist eine Wette auf die Freiheit, aber nicht auf das Chaos, und man spürt hinter allem noch die sichere Ordnung, als fände selbst die Walpurgisnacht im Lesesaal einer humanistischen Bibliothek statt.»
In Johannes Eraths Kölner Inszenierung von Gounods «Faust» findet die Walpurgisnacht zwar nicht in einer Bibliothek, sondern in einer Art Frontlazarett oder Irrenhaus statt. Das Böse aber ist auch hier, auf der Bühne des Staatenhauses, keine wirkliche Bedrohung der Ordnung durch das Chaos. Méphistophélès gibt wieder einmal den trickreichen Taschenspieler ohne wirkliche Abgründe. Samuel Youn singt ihn mit kantiger, auch verführerischer Bassgewalt ‒ spielt ihn aber weitgehend als Charge, die keine Gelegenheit versäumt, sich eine Kippe ...
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Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Michael Struck-Schloen
Herr Geyer, was ist der Unterschied zwischen einem typischen Wiener und einem typischen Österreicher?
Der typische Wiener ist behaftet mit der Lust an der Intrige. Der typische Österreicher ist aber auch nicht nur freundlich.
Und was sind Sie selbst?
Ich bin vermutlich kein typischer Österreicher, weil diese typisch österreichische Gemütlichkeit nicht meins ist....
Am Rande des Nervenzusammenbruchs und einen Schritt darüber hinaus – so wohl ließe sich die emotionale Ausgangslage in Cordula Däupers Inszenierung von Mozarts «La finta giardiniera» am besten charakterisieren. Den Auftakt bildet ein Treppensturz: Mit Karacho lässt die Regisseurin ihre Titelheldin aus der Vorgeschichte der Oper direkt im ersten Akt aufprallen. Bei...
Nachgerade undenkbar wäre die französische Barockszene ohne die vielen freien Ensembles, die sich oft um einen Dirigenten scharen, der als starke Gründerfigur fungiert. Als jüngster Zuwachs in der Reihe darf der 1996 geborene Valentin Tournet gelten, der 2017 mit «La Chapelle Harmonique» sein eigenes Orchester und seinen eigenen Chor gegründet hat. Im Alter von...
