Nervenmusik
Sollten die Zuschauer im Teatro San Carlo am 8. Dezember 1849 ihre Konzentration ausnahmsweise auf die Bühne gerichtet haben und nicht nur auf die Garderobe der anwesenden Marquisen, dann muss sie schon die Ouvertüre zur «Luisa Miller» verstört haben. Mit wenigen musikalischen Strichen und der insistierenden Unentrinnbarkeit eines einzigen Themas schafft Giuseppe Verdi hier die Sphäre eines leidenschaftlichen Stürmens und Drängens, womit er den beschleunigten Herzschlag von Friedrich Schillers bürgerlichem Trauerspiel auf den Punkt bringt.
Nun wird man in einer Wuppertaler Repertoirevorstellung naturgemäß weniger durch kostbare Roben und Brillanten abgelenkt als im Neapel des 19. Jahrhunderts. Doch was schon zur Ouvertüre aus dem Graben dringt, zieht einen subito in den Bann. Julia Jones, die Musikchefin des Hauses, lässt erregt und doch mit chirurgischer Präzision musizieren; obwohl die Streicher mit Verdis Tonkaskaden überfordert sind, liegen die Nerven der Partitur blank, auch in den folgenden drei Akten, in denen eine Unrechtsgesellschaft ihrem Untergang entgegentaumelt. Die Sänger werden mit Schwung und Verstand, aber nie überdreht begleitet: Statt auf permanenten Hochdruck ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Michael Struck-Schloen
Gilda und Rigoletto belauschen von draußen, wie sich der Herzog in der Wirtsstube an Maddalena heranmacht: Die zentrale Quartett-Szene im dritten Akt fasst simultanes Geschehen in getrennten Räumen musikalisch zusammen und bringt das Drama damit auf den Punkt. Denn Gilda ist nun gezwungen zu erkennen, wer ihre Entführung aus dem väterlichen Haus veranlasst hat –...
Dass die wohl berühmteste Theaterliebesgeschichte nicht gut ausgeht, die gerade erst sich anbahnende Mesalliance zwischen Romeo und Julia, ist eigentlich sattsam bekannt. Doch selbst wer Shakespeares berühmtes Drama nicht kennt oder Bernsteins geniale Musical-Version und auch nicht die zahlreichen Verfilmungen, merkt in Aachen schon, wenn der Vorhang sich hebt,...
Die Rolle, in der er 1952 in Bayreuth debütierte, ist winzig. Hermann Ortel fällt kaum auf, wenn sich Wagners Nürnberger Meistersinger zur «Zunftberatung» treffen. Für den damals gerade 26-jährigen Sänger indes hatten die ersten Worte des Seifensieders besondere Bedeutung: «Immer am Ort.» Theo Adam war ein weltläufiger Lokalpatriot, der seiner Geburts- und...
