Nervenmusik

Mit Schwung und Verstand: Julia Jones, die Regisseurin Barbora Horáková Joly und ein exzellentes Solistenensemble sezieren in Wuppertal Verdis «Luisa Miller»

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Sollten die Zuschauer im Teatro San Carlo am 8. Dezember 1849 ihre Konzentration ausnahmsweise auf die Bühne gerichtet haben und nicht nur auf die Garderobe der anwesenden Marquisen, dann muss sie schon die Ouvertüre zur «Luisa Miller» verstört haben. Mit wenigen musikalischen Strichen und der insistierenden Unentrinnbarkeit eines einzigen Themas schafft Giuseppe Verdi hier die Sphäre eines leidenschaftlichen Stürmens und Drängens, womit er den beschleunigten Herzschlag von Friedrich Schillers bürgerlichem Trauerspiel auf den Punkt bringt.

Nun wird man in einer Wuppertaler Repertoirevorstellung naturgemäß weniger durch kostbare Roben und Brillanten abgelenkt als im Neapel des 19. Jahrhunderts. Doch was schon zur Ouvertüre aus dem Graben dringt, zieht einen subito in den Bann. Julia Jones, die Musikchefin des Hauses, lässt erregt und doch mit chirurgischer Präzision musizieren; obwohl die Streicher mit Verdis Tonkaskaden überfordert sind, liegen die Nerven der Partitur blank, auch in den folgenden drei Akten, in denen eine Unrechtsgesellschaft ihrem Untergang entgegentaumelt. Die Sänger werden mit Schwung und Verstand, aber nie überdreht begleitet: Statt auf permanenten Hochdruck ...

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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Michael Struck-Schloen

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