Klingende Kulissen

Johannes Maria Staud und Durs Grünbein präsentieren an der Staatsoper in Wien ihre dritte gemeinsame Oper: «Die Weiden» – ein Versuch über die mentalen und politischen Umbrüche der Gegenwart

Opernwelt - Logo

Das Unheil kündigt sich mit leisen, beinahe zarten Klängen an. Kaum merklich schickt die Tuba dunkle Töne aus der Tiefe des groß besetzten Orchesters. Es stimmt etwas nicht mit diesem Fluss, der da erhaben, in bühnenbreiten Video-Bildern (Arian Andiel) strömt. Bald schieben sich Bläser bedrohlich vor, knistern Dissonanzen, und aus dem Off dringen die Geräusche röchelnder Flüsterstimmen. Das Wasser ist über die Ufer getreten. Braunstichige Feuchtgebiete, ein Waldstück, durch das eine junge Frau irrt. Eine TV-Reporterin (Sylvie Rohrer) berichtet von Vermissten.

So könnte ein Horrorfilm beginnen, ein musikalischer Plot, der mit den ersten Takten, quasi unter der Hand, Fährten zu einem Geschehen legt, das uns das Fürchten lehren soll.

Jedenfalls hatte der aus Tirol stammende Komponist Johannes Maria Staud wohl genau diesen Effekt im Sinn, als er das Vorspiel für «Die Weiden» schrieb, seine – nach «Berenice» (2004) und «Die Antilope» (2014) – dritte Oper, die in Zusammenarbeit mit Durs Grünbein entstand. Der Dresdner Lyriker ließ  sich für das Libretto von Eugene Ionescos absurdem Schauspielklassiker «Die Nashörner» (1959), Joseph Conrads Erzählung «Herz der Finsternis» (1899) sowie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Konventionell

Dass die wohl berühmteste Theaterliebesgeschichte nicht gut ausgeht, die gerade erst sich anbahnende Mesalliance zwischen Romeo und Julia, ist eigentlich sattsam bekannt. Doch selbst wer Shakespeares berühmtes Drama nicht kennt oder Bernsteins geniale Musical-Version und auch nicht die zahlreichen Verfilmungen, merkt in Aachen schon, wenn der Vorhang sich hebt,...

Am Puls unserer Zeit

In Erinnerung an den belgischen Dramaturgen und Intendanten Gerard Mortier (1943-2014) ist ein neuer Förderpreis ins Leben gerufen worden. Der mit 30 000 Euro dotierte Mortier Next Generation Award wird an junge professionelle Künstlerinnen und Künstler vergeben, die außergewöhnliches Talent erkennen lassen, am Anfang ihrer Karriere stehen und ein eigenes Projekt...

Premieren Februar 2019

Diese Übersicht bietet eine Auswahl der für Februar 2019 angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoire­vorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/

ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B...