Klingende Kulissen
Das Unheil kündigt sich mit leisen, beinahe zarten Klängen an. Kaum merklich schickt die Tuba dunkle Töne aus der Tiefe des groß besetzten Orchesters. Es stimmt etwas nicht mit diesem Fluss, der da erhaben, in bühnenbreiten Video-Bildern (Arian Andiel) strömt. Bald schieben sich Bläser bedrohlich vor, knistern Dissonanzen, und aus dem Off dringen die Geräusche röchelnder Flüsterstimmen. Das Wasser ist über die Ufer getreten. Braunstichige Feuchtgebiete, ein Waldstück, durch das eine junge Frau irrt. Eine TV-Reporterin (Sylvie Rohrer) berichtet von Vermissten.
So könnte ein Horrorfilm beginnen, ein musikalischer Plot, der mit den ersten Takten, quasi unter der Hand, Fährten zu einem Geschehen legt, das uns das Fürchten lehren soll.
Jedenfalls hatte der aus Tirol stammende Komponist Johannes Maria Staud wohl genau diesen Effekt im Sinn, als er das Vorspiel für «Die Weiden» schrieb, seine – nach «Berenice» (2004) und «Die Antilope» (2014) – dritte Oper, die in Zusammenarbeit mit Durs Grünbein entstand. Der Dresdner Lyriker ließ sich für das Libretto von Eugene Ionescos absurdem Schauspielklassiker «Die Nashörner» (1959), Joseph Conrads Erzählung «Herz der Finsternis» (1899) sowie ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Albrecht Thiemann
Diese Leichtigkeit. Sie war eine Gabe, ein Geschenk. Und eine Haltung, die seinen Blick auf die Welt zeitlebens prägte. Hans-Klaus Jungheinrich war ein unstillbar neugieriger, unbestechlicher, blitzgescheiter Beobachter, der in beneidenswert flüssiger Anschaulichkeit beschrieb, was er sah, hörte, erlebte. Auch wenn die Musik das Gravitationszentrum seiner...
Der Abend beginnt mit einem Schrei, der irgendwo aus den Höhen der Philharmonie kommt, gefolgt von einem «Halleluja»! Und auch sonst ist alles anders bei dieser «Messiah»-Aufführung: Das Deutsche Symphonie-Orchester spielt, zum ersten Mal in seiner 62-jährigen Geschichte, auf Darmsaiten und mit Barockbögen. Außerdem sitzen die Musiker ganz hinten auf der Bühne,...
Christoph Marthaler kehrt zurück an die Bühne, deren Bau er einst der Stadt Zürich abtrotzte, bevor sie ihn als Intendanten verjagte. Nun ist er also wieder da, im Schiffbau des Schauspielhauses. Mit einem neuen Stück: «44 Harmonies from Apartment House 1776». Aber von Vertrauen in Harmonie ist nicht viel zu spüren an diesem Abend. Und wenn, dann liegt sie in der...
