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Die Mezzosopranistin Jelena Obraszowa, die im Januar 2015 in einem Leipziger Krankenhaus verstarb, war nicht nur eine der großen Primadonnen ihrer Zeit, sondern auch ein russisches Nationalheiligtum. Mehr als ein halbes Jahrhundert stand sie auf der Bühne, zuletzt in Charakterpartien wie der «Pique Dame»-Gräfin und der Babulenka in Prokofjews «Der Spieler».
Alexej Parin, Musikkritiker (u. a.
für «Opernwelt»), Dramaturg, Librettist, Übersetzer und Dichter, hat den Weg der Diva seit ihren Anfängen als kritischer Bewunderer verfolgt und sie immer wieder auf ihrer Datscha zu langen Gesprächen getroffen. Parin und Obraszowa reden da wie gute alte Bekannte miteinander: Sie fachsimpeln, tratschen, schwelgen in Erinnerungen, kommen gelegentlich vom Hundertsten ins Tausendste. Dass jemand diesen Dialog eines Tages lesend nachvollziehen könnte, scheint beide zunächst nicht zu kümmern.
Die große Nähe, gar Vertrautheit ist zugleich Stärke wie Schwäche des Buchs. Die Stärke liegt in der vorbehaltlosen Offenheit der Sängerin, die am Ende selbst etwas erschrocken war, was sie da alles preisgegeben hatte – und darum bat, den vollen Wortlaut erst nach ihrem Tode zu veröffentlichen (eine ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Ekkehard Pluta
Eine ähnlich radikale Umdeutung von Mozarts «Idomeneo», wie Peter Konwitschny sie jetzt in Heidelberg herausgebracht hat, war wohl noch nie zu sehen. Wenn am Ende des zweiten Akts das vom Meeressturm entsetzte Volk den Namen des Schuldigen fordert, entert der verzweifelte Titelheld, wie in einem Amoklauf den Gott Neptun verfluchend, das im Hintergrund auf der...
Wie umgehen mit diesem heiklen Dramma serio per musica, das da 1791, in Mozarts Todesjahr, noch rasch als «Krönungsoper» für Leopold II. – ein Auftrag aus Prag – erledigt werden wollte? Pietro Metastasios vielfach erprobtes Sujet war vorgegeben. Der römische Kaiser Titus, beileibe kein mildtätiger Herrscher, lässt nach Liebesintrige und Mordkomplott Gnade vor...
Draußen, vor der Tür, die Kälte. Eisige Winde, Regenfäden, grauschwerer Himmel. Drinnen, im Ballettprobensaal, das Gleiche, nur in anderen Farben, Formen, Figuren. Eine Stiefmutter, deren Seele so schwarz ist wie ihr Kleid, zwei Stiefschwestern in blaustrümpfiger Blödheit, mit geflochtenen Zöpfen auf dem Kopf und Gemeinheiten im Gehirn. In ihrer Mitte die...
