Pauschalreise

Verdi: Macbeth
Vendig | Teatro La Fenice

Opernwelt - Logo

Macbeth trauert um seine Tochter. Fixiert auf den Verlust, hält er fetischhaft an Ballon, Schaukel und Dreirad der Toten fest. Kinderlosigkeit und destruktive Verzweiflung sind die fatale Triebfeder für Machtgier, Königsmord, die Spirale politischer Gewaltverbrechen. Das jedenfalls behauptet der Regisseur Damiano Michieletto. Er dichtet der Titelfigur in Verdis Shakespeare-Oper etwas an, was «Macbeth»-Exegeten sonst eher der Lady zuschreiben. Michieletto aber verweigert ihr ausdrücklich diese emotionale Grundierung. Warum sie der Kindstod kalt lässt, bleibt freilich offen.

Die Regie, psychologisch zu grob gefasst, verengt den Blick, auch wenn sie sich andererseits um Abstraktion bemüht.

Paolo Fantin hat die Bühne wie eine Installation gestaltet, mit milchigen Folien und kaltem Röhrenlicht. Sie ist gespickt mit leitmotivischen Symbolen des Vergangenen. Die erstickende Sterilität der zerrissenen Plastikplanen prägt das Interieur. Die Ermordeten werden darin eingewickelt und entsorgt. Laut raschelndes Spielmaterial für den in Leinenfetzen gehüllten, embryonenhaften Hexenchor. Schwarz bis nebelgrau schimmert der Raum, eine beklemmende Atmosphäre, zumal beim tödlichen Anschlag auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Richard Erkens

Weitere Beiträge
Apropos... Extreme

Frau Sun, Ihr jüngstes Projekt «Kolik» ist eins der extremsten Stücke seit Langem. Sie sind darin als Sängerin, Schauspielerin und Stimmperformerin gefordert. Was macht den Reiz einer solchen Arbeit für Sie aus?
Zunächst die Tatsache, dass der Protagonist im Original-Monolog ein Mann ist. Dann die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten, ihre Gegensätzlichkeit. Ich...

Familientragödie

Das Bild könnte trostloser kaum sein: eine junge Braut, allein am lieblos gedeckten Tisch, im hochgeschlossenen, schwarzen Kleid, mit bleichen Wangen, den Blick ins Irgendwo gerichtet. Wie eine leere Hülle sitzt da die schöne Jenufa, schutzlos und scheu, aber es scheint, als würde sie von dem, was um sie herum geschieht, gar nichts mehr mitkriegen. Als sei sie...

Editorial Januar 2019

Am letzten Tag der Probenwoche im September, es ist schon spät, sagt Márta Kurtág einen Satz, der wie eine persönliche Bilanz klingt: «Für uns ist ‹Fin de partie› alles. Es geht da auch um unser Leben.» Das Leben mit György, ihrem Gatten und Gefährten seit mehr als sieben Jahrzehnten. Viel Zeit bleibt ihnen nicht: Der Komponist wird im Februar 93, die Pianistin...