Pauschalreise
Macbeth trauert um seine Tochter. Fixiert auf den Verlust, hält er fetischhaft an Ballon, Schaukel und Dreirad der Toten fest. Kinderlosigkeit und destruktive Verzweiflung sind die fatale Triebfeder für Machtgier, Königsmord, die Spirale politischer Gewaltverbrechen. Das jedenfalls behauptet der Regisseur Damiano Michieletto. Er dichtet der Titelfigur in Verdis Shakespeare-Oper etwas an, was «Macbeth»-Exegeten sonst eher der Lady zuschreiben. Michieletto aber verweigert ihr ausdrücklich diese emotionale Grundierung. Warum sie der Kindstod kalt lässt, bleibt freilich offen.
Die Regie, psychologisch zu grob gefasst, verengt den Blick, auch wenn sie sich andererseits um Abstraktion bemüht.
Paolo Fantin hat die Bühne wie eine Installation gestaltet, mit milchigen Folien und kaltem Röhrenlicht. Sie ist gespickt mit leitmotivischen Symbolen des Vergangenen. Die erstickende Sterilität der zerrissenen Plastikplanen prägt das Interieur. Die Ermordeten werden darin eingewickelt und entsorgt. Laut raschelndes Spielmaterial für den in Leinenfetzen gehüllten, embryonenhaften Hexenchor. Schwarz bis nebelgrau schimmert der Raum, eine beklemmende Atmosphäre, zumal beim tödlichen Anschlag auf ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Richard Erkens
Der Urknall geht auf das Jahr 2000 zurück. Damals entstand im Coffeeshop des Wharf Theatre in Sydney die Idee, eine auf Werke des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisierte Opernkompanie ins Leben zu rufen. Die Akteure: der musikbegeisterte Unternehmer Ken Nielsen und ein paar engagierte junge Musiker – darunter die heutige Geschäftsführerin der Pinchgut Opera,...
Die Herren kennen einander. Natürlich nicht persönlich, Franz Schubert starb bekanntlich 1828, als Ian Bostridges Vorfahren noch gar nicht wussten, dass sie dereinst einen namhaften Liedsänger in ihrer Familie haben würden. Als solcher ist Bostridge seit Langem international anerkannt, zumal auf dem Gebiet der Schubert-Exegese; nicht zuletzt sein Buch über den...
Da steckt Musik drin!, dachte sich Ottorino Respighi schon bei der ersten Lektüre von Gerhart Hauptmanns symbolistischem Märchendrama «Die versunkene Glocke» (1896). Anderen war das schon vorher aufgefallen. Die Vertonung von Heinrich Zöllner (1899) hatte indes nur kurz Erfolg, und Maurice Ravel brachte ein Opernprojekt, mit dem er Debussys «Pelléas» Konkurrenz...
