Einfach raffiniert

Am Teatro Real in Madrid erweist sich Puccinis «Turandot» als Idealvorlage für die Theatermagie Robert Wilsons. Nicola Luisotti mischt perfekt die Zwischentöne

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Allzu selten dient ein Opernlibretto derzeit als echte Steilvorlage für einen Regisseur. Und wenn überhaupt, dann ist es Material, das es gegenzulesen gilt. Bei Robert Wilson ist das anders. Er bedient sich einfach bei Puccinis Textdichtern Giuseppe Adami und Renato Simoni, die ihrerseits Schillers Bearbeitung der fiabe teatrali «Turandot» des Venezianers Carlo Gozzi aufgriffen.

Wie sich die Bilder gleichen.

Als Ping, der Kanzler, sich vom furchtbaren Alltag am Hofe des Kaisers Altoum und dessen Tochter Turandot, die einen potenziellen Ehemann nach dem anderen einen Kopf kürzer machen lässt, einfach mal hinwegträumt in sein Haus in Honan, da schwärmt er baritonwarm vom «laghetto blu» seines Heims. Und siehe da: Wilson, der Magier des Musiktheaters, zaubert diesen «blauen Teich» auf die Bühne – als eine lichtsatte blaue Stunde.

Diese Utopie aus Farbe, die von einer kleinen, heilen Welt der drei Minister kündet, wird einen Akt später wiederkehren, in der ersten, alles entscheidenden Begegnung zwischen Turandot und Calaf. So märchenhaft einfach in den Bedeutungsebenen wie raffiniert in der Ausführung arbeitet Wilson farbsymbolisch weiter. Turandot trägt rot. Und mit dem Kuss des ...

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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Peter Krause

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