Nackte Wahrheit

Rom, Lombardi: Il re nudo

Opernwelt - Logo

Nachträgliche Millionenkürzungen des aktuellen Etats, die politisch motivierte Drohung, eine kommissarische Verwaltung zu installieren (mit Streikwarnungen aus allen Gewerken): In die gerade erst angebrochene Morgenröte der römischen Oper haben sich schon wieder düstere Wolken geschoben. Gerade ist dort die zweite Doppelpremiere der Spielzeit «in scena» gegangen.

Im großen Haus feierte Christoph Willibald Glucks «Iphigénie en Aulide» (Riccardo Muti/Iannis Kokkos) Triumphe, und im «kleinen» Teatro Nazionale kam nach langer Zeit wieder ein Auftragswerk zur Uraufführung: «Il re nudo» (Der nackte König), ein Divertimento in zwei Akten von Luca Lombardi und Sandro Cappelletto.
Das Stück basiert auf der gleichnamigen Politsatire des russischen Dramatikers, Schauspielers und Kinderbuchautoren Evgenij Schwarz aus dem Jahr 1934, die sich ihrerseits an drei Märchen von Hans Christian Andersen orientiert («Der Schweineprinz», «Die Prinzessin auf der Erbse», «Des Kaisers neue Kleider»). Darin wird blinde Arroganz der Mächtigen ebenso persifliert wie die gleichgültige Blindheit des Volkes – bis ein Kind allen die Augen öffnet. Anders als Schwarz, verzichtet der Librettist Sandro Cappelletto auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Sabine Radermacher

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verschobene Perspektiven

Für das Booklet seiner neuen CD hat Philippe Jaroussky ein kontroverses Vorwort verfasst: Countertenöre, so argumentiert er darin, sängen meist Musik, die eigentlich für Kastraten verfasst worden sei. Deren Stimmen aber hätten ganz anders geklungen – weshalb sollten seine Fachkollegen und er selbst sich also nicht auch in anderes Repertoire vorwagen dürfen, zu dem...

Amazonenkämpfe im Mädchenpensionat

Sie ist lange Jahre eines der großen unterschätzten Werke des 20. Jahrhunderts gewesen, Othmar Schoecks grandiose, düster glühende Kleist-Vertonung, aber jetzt scheint ihre Zeit gekommen zu sein. Nach Cottbus (OW 12/2003), Basel (OW 12/2007) und Dresden (OW 4/2008) legt Lübeck eine außerordentlich geglückte Inszenierung des Werks vor, die nahe an seinem Wesenskern...

Idylle in Weiß und Blau

Das Drum und Dran sorgte einmal mehr für ebenso viel Gesprächsstoff wie die Aufführung selbst: Kaum war die Premiere von Glucks «Iphigénie en Aulide» mit Riccardo Muti am Pult über die Bühne gegangen, drohten die Gewerkschaften mit Streiks für die weitere Serie (ohne die Drohung letztlich wahr zu machen). Denn das Kulturministerium, das Italiens Opernhäusern...