Sei Siegfried!
Wirklich furchterregend ist das Biest, das da, aus der Bühnentiefe des Festspielhauses geschlüpft, über einen hinwegbraust, auf mächtigen Schwingen, mit grünem Schuppenkleid und einem Maul voll gezackter Zähne, aus dem Feuerstrahlen schießen. Wie sich halt Richard Wagner seinen Drachen dachte, der schon zur Uraufführung des «Siegfried» nur unvollständig realisiert werden konnte, später vom Illusionismus des Kinos überrundet und schließlich von den Bühnenregisseuren mangels Glaubwürdigkeit ganz entsorgt wurde.
Wagner war eben auch ein Vordenker neuer technischer Welten, wie Jay Scheib, der nun den Drachen in der virtuellen Realität wiederbelebt hat. «Sei Siegfried» heißt das Werk, in dem bei den Bayreuther Festspielen dieses Jahres mittels VR-Brille an mehreren Stationen vor dem Festspielhaus jeder den Drachen töten konnte – oder ehrlicherweise: sogar musste. Denn so interaktiv ist die Sache noch nicht, dass man mit dem virtuellen, immerhin auf die eigenen Bewegungen reagierenden Schwert das Drachenherz am Ende verfehlen könnte.
2023 soll Scheib denn auch mit dem «Parsifal» in Bayreuth endlich Wagners Wunsch nach einem «unsichtbaren Theater» realisieren, der dem Ungenügen an der ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Festspiele Bayreuth, Seite 18
von Michael Stallknecht
Frau Davidsen, im vergangenen Jahr wurden zum ersten Mal in der Nachkriegszeit die Bayreuther Festspiele abgesagt, Ihr Sieglinden-Debüt verschob sich, die «Tannhäuser»-Reprise ebenfalls. Dieses Jahr sind Sie zurückgekehrt auf den Grünen Hügel, aber es muss eine ganz andere Erfahrung gewesen sein als 2019.
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