Nacht des Schicksals
Der Bodensee ist eine Badewanne. Aber nicht irgendeine. Sondern gleich die berühmteste Wanne der politischen Geschichte. Kein Geringerer als Jean-Paul Marat sitzt hier, jener erst als Publizist der Schlächter wütende, dann zur Milde neigende Volkstribun, den am 13. Juli 1793 die fromme und friedliebende normannische Jungfrau Marie Charlotte Corday d’Armont in seinem Haus in der Rue des Cordeliers 20 erdolchte, während er im Schaum hockte.
Marats Zeitgenosse, der Maler Jacques Louis David, hat den Revolutionsführer der Bergpartei noch im Jahr seines gewaltsamen Todes auf Leinwand gebannt, ephemerer geht es kaum, das Gemälde hängt in den Musées Royaux des Beaux Arts in Brüssel und trägt den Titel «Der Tod des Marat».
David Fielding zitiert das Bild in seiner Bühne für Umberto Giordanos veristisches Revolutionsdrama «Andrea Chénier», mit dem die Bregenzer Festspiele die diesjährige Spielzeit eröffneten; diese stand unter dem Motto «Schöpfung» und war die letzte unter der Ägide des drei Dezennien amtierenden Präsidenten Günter Rhomberg. Als 14 Meter hohe und 16 Meter breite androgyne Skulptur ragen Marats Kopf samt Schulter- und Brustpartie sowie einer Hand aus dem See – ein ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten
In Bonn stehen Oper und Schauspiel unter scharfem Sparbeschuss des SPD-Oberbürgermeisters. Mit seiner Weigerung einer Vertragsverlängerung wirkt Generalintendant Klaus Weise jedenfalls nicht wie ein Schlafwandler, sondern wie ein klar denkender Prinzipal, der sein Haus lieber nach guter Arbeit mit erhobenem Haupt verlässt, statt später die Scherben zusammenkehren...
Zweimal Aufstieg und Fall eines Straßenmädchens, eines «leichten», wie man so sagt. Zwei französische Vorlagen. Zwei deutsche Opern. Zwei Komponisten derselben Generation. Zwei Ausgrabungen, die jetzt zu Recht auf CD erscheinen. Die Frage nach der sogenannten Repertoiretauglichkeit ist müßig und kann gleich mit Nein beantwortet werden. Weder Waltershausens «Oberst...
Es war die letzte Spielzeit des lange amtierenden Präsidenten Günter Rhomberg bei den Bregenzer Festspielen. Außerdem steht der nächste künstlerische Chef Roland Geyer (bislang Theater an der Wien) bereits in den Startlöchern. Trotzdem hat David Pountney noch das Sagen am Bodensee. Und er hat bei der englischen Komponistin Judith Weir eine Uraufführung bestellt....
