Nachhilfe für Mozart
Lang ist das alles schon her: «Così fan tutte» gute acht, «Don Giovanni» sogar knappe elf Jahre. Und stilistischer Stillstand, das Ausruhen auf dem einmal Analysierten, das Zufriedengeben mit dem erfolgreich Erreichten wäre so ziemlich das Letzte, was man mit dem Workaholic Kirill Petrenko verbinden würde. Die Metamorphose verblüfft dennoch. An der Komischen Oper Berlin muss das seinerzeit, wenn die Erinnerung nicht trügt, ein Mozart ganz aus dem Geiste des Sturm und Drang gewesen sein. Harsch, aufbrausend, angriffslustig, direkt, überraschend.
Nun, im neuen Leben als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, ist allein Letzteres geblieben: Petrenkos «La clemenza di Tito» lässt ebenfalls aufhorchen, aber aus anderen Gründen. Erstmals setzt er sich mit dem Spätstück auseinander. Mit einer Seria, die nur wenig mit dem orchestralen Spieltrieb und der Experimentierlust des «Idomeneo» zu tun hat, die auf wundersame Weise zu einer Ökonomie der Mittel findet – und damit fast dieselbe Wirkung erzielt.
Für die Premiere, man hört es, muss Petrenko ungeheuer penibel geprobt haben. «Penetrenko», dieser Spitzname kursiert schon in Münchner Orchesterkreisen. Nicht böse ist das gemeint, ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Markus Thiel
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