Nachhaltig
Leipzig hält seinen Bach hoch, Halle seinen Händel – alles bekannt. Doch keine mitteldeutsche Stadt hat wohl so viel Grund, sich an einem barocken Komponisten aufzurichten, wie Magdeburg an Georg Philipp Telemann. Denn woher soll das Bewusstsein für die eigene Vergangenheit, soll eine Identität kommen in dieser von Krieg und DDR-Kahlschlagplanung ruinierten Stadt, in der nur der Dom und einige Kirchen traurig aus dem Einerlei von Scheibenhäusern aufragen? Die Rückbesinnung auf Telemann ist allerdings kein Produkt der Nachwendezeit.
Schon 1962 veranstaltete Magdeburg erstmals die Festtage, die seither alle zwei Jahre stattfinden und nachhaltig das vom 19. Jahrhundert überlieferte Telemann-Klischee einer bloß Massenware produzierenden barocken Tonmaschine relativiert haben.
Regelmäßig werden während der Festtage Opern aufgeführt, von denen Telemann rund 50 geschrieben haben soll (bei Weitem nicht alle sind erhalten). Die manchmal prekäre Quellenlage verdeutlicht ein Werk wie «Germanicus». Der Musikwissenschaftler Michael Maul hat es aus rund 40 in der Frankfurter Universitätsbibliothek anonym überlieferten Arien rekonstruiert. Die Rezitative sind verloren, in der konzertanten ...
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