Altersgrün im Erinnerungspalast

Strauss’ «Daphne», ingeniös bewältigt von Claus Guth und Sebastian Weigle an der Oper Frankfurt

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Flüchten und ankommen. In dieser Spannung ist wohl auch der «Olympier» Ri­chard Strauss zu sehen, dessen – von seinen literarischen Mitarbeitern wie Hugo von Hofmannsthal oder Joseph Gregor heftig geförderte – Griechenland-Manie vielfältig motiviert gewesen sein muss. Als Jugenderlebnis ausschlaggebend sicherlich Nietzsches flammende Altphilologie, dabei aber auch schon des Musikers Distanznahme zu Wagner und dessen germanisch-mittelalterlicher Obses­sion. Später dann das wachsende Bedürfnis nach Zeitflucht – vor den Umbrüchen des voranschreitenden 20.

Jahr­hunderts, nicht unerheblich auch vor dem Nationalsozialismus. Das Antikenprojekt «Daphne» erlebte seine Uraufführung in Dresden im Oktober 1938, also unmittelbar vor der «Reichskristallnacht», dem point of no return auf dem Weg der «neuen» deutschen Gesellschaft in die Unmenschlichkeit.

Arbeit am Mythos ist immer auch psychologisch-analytisches Archäologisieren. Was bei Freud  zur intuitiv illuminierten Wissenschaft wurde, verharrt bei Strauss im Status latenter Erkenntnis, in schönen Schein verpackter Aufklärung. Es geht um ein Frauenbild, wieder und noch einmal. Es geht um Daphne, die scheue Nymphe, und ihre zur Verklärung ...

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Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Hans-Klaus Jungheinrich

Vergriffen
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