Altersgrün im Erinnerungspalast
Flüchten und ankommen. In dieser Spannung ist wohl auch der «Olympier» Richard Strauss zu sehen, dessen – von seinen literarischen Mitarbeitern wie Hugo von Hofmannsthal oder Joseph Gregor heftig geförderte – Griechenland-Manie vielfältig motiviert gewesen sein muss. Als Jugenderlebnis ausschlaggebend sicherlich Nietzsches flammende Altphilologie, dabei aber auch schon des Musikers Distanznahme zu Wagner und dessen germanisch-mittelalterlicher Obsession. Später dann das wachsende Bedürfnis nach Zeitflucht – vor den Umbrüchen des voranschreitenden 20.
Jahrhunderts, nicht unerheblich auch vor dem Nationalsozialismus. Das Antikenprojekt «Daphne» erlebte seine Uraufführung in Dresden im Oktober 1938, also unmittelbar vor der «Reichskristallnacht», dem point of no return auf dem Weg der «neuen» deutschen Gesellschaft in die Unmenschlichkeit.
Arbeit am Mythos ist immer auch psychologisch-analytisches Archäologisieren. Was bei Freud zur intuitiv illuminierten Wissenschaft wurde, verharrt bei Strauss im Status latenter Erkenntnis, in schönen Schein verpackter Aufklärung. Es geht um ein Frauenbild, wieder und noch einmal. Es geht um Daphne, die scheue Nymphe, und ihre zur Verklärung ...
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Die Hürde jeder «Tannhäuser»-Aufführung steht am Anfang. Für den Venusberg hat Wagner zunächst eine brave Version geschrieben, die sich ganz an den Dialog hält: Der sinnessatte Minnesänger versucht zu Rezitativischem und einem erweiterten Weber-Orchester von der Göttin der Liebe loszukommen. Später, für Paris, komponierte Wagner an dieser Stelle viel Musik dazu,...
Herr Rousset, Sie stammen aus Avignon und sind in Aix-en-Provence aufgewachsen. In der Provence stößt man überall auf Monumente der Geschichte: Pont du Gard, Papstpalast, die römische Arena in Nîmes usw. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Gegenwart der Vergangenheit in diesen Städten und Ihrer Vorliebe für Alte Musik?
Das kann man wohl sagen. Als ich zur Schule...
Fast nicht zu glauben: Zwei Jahrhundert-Sängerinnen feiern in diesem Frühjahr ihren 100. Geburtstag. Die Sopranistin Magda Olivero ging am 25. März voran, die Mezzosopranistin Giulietta Simionato wird am 12. Mai folgen. Zwei lebende Legenden, deren Bühnenwege sich nur selten gekreuzt haben, die sich aber in ihrem Perfektionsdrang und in ihrem künstlerischen Credo...
