Nicht um jeden Preis

Gleich nach der Hochschule wurde Werner Güra ins Ensemble der Semperoper engagiert. Heute hält er die Oper auf Distanz. Warum er Wagner pubertär und ­Mozart kompliziert findet, sich oft über Regisseure ärgert, junge Sänger vor den ­Gefahren des Betriebs warnt und im Unterrichten eine Mission sieht, ­erläutert der Tenor im Gespräch mit Christoph Vratz.

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Herr Güra, Sie sind in Sachen Musik genetisch vorbelastet. Ihr Vater war Tubist an der Bayerischen Staatsoper. Welche Musik hat Sie als Kind am meisten geprägt? 

Wagner. Das war dem einfachen Umstand geschuldet, dass mein Vater wegen seines
Instruments nur Karten ab Wagner aufwärts bekommen hat. So habe ich diese Musik als Erstes kennengelernt, und deswegen waren Werke mit Rezitativen oder Dialogen für mich auch keine Opern.

Ein Einstieg mit kindgerechtem Repertoire…
Ich finde, dass Wagner eine geradezu pubertäre Sprache verwendet.

Er lässt nichts aus, um Gefühle abzubilden, und er lässt seine Figuren diese Gefühle perfekt durchleben. Außerdem verlangt er am Ende seiner Stoffe immer eine Lösung der Probleme, meist in Form von Erlösung. Insofern – das klingt jetzt vielleicht paradox – waren mir seine Opern verständlicher als beispielsweise die von Mozart: Dessen Werke befassen sich mit Themen, die uns nicht immer irdisch vorkommen. Außerdem ist seine Musik viel komplexer.

Und subtiler?
In ihrer Zweideutigkeit auf jeden Fall. Mozart bringt es fertig, dass auf der Bühne Trauer und Empörung herrschen, während unten im Graben die Fagotte kleine Läufe spielen und so das Ganze ...

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Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Interview, Seite 34
von Christoph Vratz

Vergriffen
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