Mythos und Kunstgewerbe
Nehmen Sie überhaupt alles so, wie wenn es sich vor zwei oder drei Jahren irgendwo zwischen Moskau und Neuyork zugetragen hätte», riet Hugo von Hofmannsthal seinem Partner Richard Strauss bei einem Konzeptionsgespräch zur gemeinsamen Oper «Die ägyptische Helena». Zwanzig Jahre nach ihrer Zusammenarbeit an «Elektra» wollte der Dichter den Komponisten noch einmal für ein Sujet begeistern, in dem sich antiker Mythos mit moderner Psychologie verband.
Zwischen den beiden Werken lag die niederschmetternde Erfahrung des Ersten Weltkriegs, die sich in Hofmannsthals Libretto widerspiegelt, wenn auch mythisch verklausuliert. Menelas, nach dem zehn Jahre währenden Trojanischen Krieg mit Helena auf der Heimreise, ist im Begriff, sie zu töten, als ein Seesturm losbricht. Die Zauberin Aithra hat ihn entfacht, um sich die Wartezeit auf ihren Geliebten Poseidon zu verkürzen. Sie nimmt die Schiffbrüchigen in ihre Behausung auf und unterzieht sie einer gründlichen Therapie. Ein Lotostrunk, der Vergessen bringt, ist der erste Schritt. Aithra kann Menelas weismachen, dass seine Frau die ganze Zeit in Ägypten im Schlaf gelegen habe, während sie in Troja von einem Phantom-Double vertreten wurde (diesen ...
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