Ins Absurde getrieben
Vielleicht ist die freche Münchner Neuinszenierung von Pfitzners «Palestrina» tatsächlich das Beste, was man dem Stück heute angedeihen lassen kann: die pop-ästhetische Aushebelung frommer Demutshaltung und historischer Einfühlung mit Hilfe von Geometrie und Ironie. Das Ganze lebt von konstruktivistischen Bühnenschnitten und absurdem Popanz in knalligem Pink und Grün.
Christian Stückl, Oberammergauer Passionsspielleiter und Münchens Volkstheaterintendant, konterkariert zusammen mit seinem Bühnenausstatter Stefan Hageneier alles Tümelnde um den berühmten Renaissance-Komponisten und das Kirchenkonzil von 1563, tilgt alles Behäbige in dem Kampf des einsamen Genies um Kreativität, Akzeptanz, Überleben im Dienst einer autoritären Kirche.
Verschwunden ist in dieser Aufführung die Betulichkeit eines zwischen politischen und theologischen Interessen eingeklemmten Künstlerschicksals. Allerdings behält Giovanni Pierluigi da Palestrinas von Depression und Selbstbehauptung bestimmtes Geschick Züge einer Existenzkrise. Es war Intendant Nikolaus Bachler, der nach Neuproduktionen von «Macbeth» und «Wozzeck» das ominöse Stück des anrüchigen deutschen Komponisten unbedingt in seinen ersten ...
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