Mut zum Moment
Herr Zeppenfeld, Anfang Februar haben Sie an der Dresdner Semperoper die Titelpartie in Verdis «Attila» gesungen, es folgte der Graf Rodolfo in Bellinis «La sonnambula». Ist es eine Genugtuung, dass Sie endlich wieder im italienischen Fach besetzt werden?
Irgendwie schon. Das Fach wird ja deutschen Sängern normalerweise nicht zugetraut. Und es ist eine Self-fulfilling prophecy: Wenn man den Sänger dort nicht üben lässt, lernt er es auch nicht.
In meiner Anfängerzeit habe ich dem damaligen Operndirektor gesagt: «Wenn Sie wollen, dass ich mit 50 den Filippo II. in Verdis ‹Don Carlo› singe, dann sollten Sie mich mit 35 üben lassen.» Mögen alle noch so gutwillig sein – man landet leicht in der Schublade. Was aus Sicht der Verantwortlichen sogar verständlich ist: Wer eine deutsche Rolle besetzen will, schaut zunächst in den Pool der Muttersprachler. Als Gerd Uecker Intendant in Dresden war, hatte ich das Glück, dass ich fast in jeder Verdi-Premiere dabei war.
Es heißt, der Liedgesang putze die Stimme. Gibt es im italienischen Fach Ähnliches, wenn man das raumgreifende Legato mit dem eher Kleinteiligen bei Wagner vergleicht?
Auf jeden Fall. Ich wundere mich immer, wie wenig das ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Interview, Seite 54
von Markus Thiel
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