«Unsere eigene Stimme, die zu uns singt»
Wir alle kennen die Arbeiten von Barrie Kosky. Und die meisten von uns lieben seine Produktionen. Koskys zehnjährige Intendanz an der Komischen Oper wurde geprägt von gefeierten Wiederentdeckungen und quietschbunten Produktionen; häufig mit dem Choreografen Otto Pichler an seiner (tänzerischen) Seite.
Und wer bei den Aufführungen von Koskys Inszenierungen von Bernsteins «West Side Story» (2013) und Bocks «Anatevka» (2017) nicht geweint und wer bei «Eine Frau, die weiß, was sie will» (2015) und «Die Perlen der Cleopatra» (2016) von Oscar Straus (mit Dagmar Manzel in den jeweiligen Hauptrollen) nicht Tränen gelacht hat, der – so sollte man behaupten dürfen – hat kein Herz.
Kosky ist zwar nicht mehr Intendant der Komischen Oper. Dafür inszeniert er dort mehrmals in der Saison; auch der Spielplan trägt nach wie vor seine Handschrift. Quasi als «Abschiedsgeschenk» des ehemaligen Chefs ist jetzt seine Autobiografie erschienen (zusammen erarbeitet mit Rainer Simon). Schon der Titel ist von typischer, ikonischer Knalligkeit: «Und Vorhang auf, hallo!»
Das erste Kapitel widmet Kosky seiner Großmutter. Es geht anfänglich um die «Ariadne»-Uraufführerin Maria Jeritza: «Das Idol meiner ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 36
von Arno Lücker
Ein Libretto für eine Symphonie! – ein Orchester, das eine Oper darstellt!» Mit Enthusiasmus für das scheinbar Unmögliche begrüßt Berlioz’ Librettist Émile Deschamps, der zuvor am Libretto von Meyerbeers «Hugenotten» mitgewirkt hatte, die Idee einer Symphonie dramatique mit Gesangssolisten und Chören. «Roméo et Juliette» wird, nach dem Misserfolg des «Benvenuto...
Keine Kulissen, keine Möbel und erst recht nicht der Versuch, dem antiken Drama eine wohlfeile Aktualität zu verleihen. Nur farblich changierende Neonröhren, die den Gemütszustand der Figuren, und Kostüme, die deren Herkunft und Charakter symbolisieren. Mehr braucht es nicht. Am Theater Erfurt vertraut man voll und ganz Glucks Musik und der ihr innewohnenden...
Georg Friedrich Händels Oratorium «Hercules» kam 1745 am Londoner King’s Theatre zur Uraufführung, wo der große Hallenser – mal mit Erfolgslorbeeren bedacht, mal von Konkurrenz und blöden Zufällen geplagt – gewirkt hatte. Das King’s Theatre ist längst tot (seit 1986 läuft dort ausschließlich «The Phantom of the Opera»), der frisch in der Westminster Abbey gekrönte...
