Dunkle Räume, helle Puppen
Hätte irgendeine Art von Schöpfer auf Bazon Brock gehört, der Tod wäre längst abgeschafft. Doch dann gäbe es auch Claudio Monteverdis «L’Orfeo» nicht.
Die berühmte Favola in Musica von 1607, die vom Leuchten und vom Leid des großen Sängermenschen und Menschensängers Orfeo in derart schönen, schmerzvollen Tönen erzählt, dass man ihr Fehlen – gäbe es sie nicht – als Mangel empfinden würde: ein Paradox, wie es in einem (zu) oft bemühten Geburtstagslied zum hohlen Ausdruck kommt: «Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst.» In der Hannoveraner Interpretation von Silvia Costa existiert in der Tat überraschend ungeborenes Leben: Euridice ist – bevor sie (was wir bekanntlich gar nicht sehen, sondern nur zugetragenbekommen) durch einen Schlangenbiss stirbt – schwanger. Auch schafft sie es nach der nicht gezeigten Geburt noch, kurz von links mit dem zeitlos designten Kinderwagen aufzutreten. Surreal vollziehen die Bühnenmenschen auch bald Bewegungen im expressiven Gleichschritt. Das ist hochsymbolisch – und gleichzeitig herrlich losgelassen, im besten Sinne «sinnlos» und doch sachdienlich: Wir erleben eine tragische Hypnose, ein Trauer-Delirium. Entsprechend liegt ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Arno Lücker
Schöne, neue Welt? Mitnichten. Die Welt, die Clemens Meyer in seinem wort- und bildmächtigen Leipzig-Roman «Im Stein» beschreibt und in die er so tief eintaucht, dass man das Gefühl hat, er würde ganz und gar darin verschwinden, ist eher eine Unter-Welt, ein trostloser Ort, an dem die zwischenmenschlichen Beziehungen heruntergebrochen sind auf jenes Verhältnis, das...
L’italiana in Algeri» gehört neben «Il barbiere di Siviglia» und «La Cenerentola» zu den drei beliebtesten, meistgespielten Bühnenwerken Gioachino Rossinis. Mit diesem am 22 Mai 1813 in Venedig uraufgeführten dramma giocoso und dem wenige Wochen zuvor ebenfalls dort herausgekommenen melodramma «Tancredi» begann der Aufstieg des damals gerade 21-Jährigen zum...
Georg Friedrich Händels Oratorium «Hercules» kam 1745 am Londoner King’s Theatre zur Uraufführung, wo der große Hallenser – mal mit Erfolgslorbeeren bedacht, mal von Konkurrenz und blöden Zufällen geplagt – gewirkt hatte. Das King’s Theatre ist längst tot (seit 1986 läuft dort ausschließlich «The Phantom of the Opera»), der frisch in der Westminster Abbey gekrönte...
