Dunkle Räume, helle Puppen
Hätte irgendeine Art von Schöpfer auf Bazon Brock gehört, der Tod wäre längst abgeschafft. Doch dann gäbe es auch Claudio Monteverdis «L’Orfeo» nicht.
Die berühmte Favola in Musica von 1607, die vom Leuchten und vom Leid des großen Sängermenschen und Menschensängers Orfeo in derart schönen, schmerzvollen Tönen erzählt, dass man ihr Fehlen – gäbe es sie nicht – als Mangel empfinden würde: ein Paradox, wie es in einem (zu) oft bemühten Geburtstagslied zum hohlen Ausdruck kommt: «Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst.» In der Hannoveraner Interpretation von Silvia Costa existiert in der Tat überraschend ungeborenes Leben: Euridice ist – bevor sie (was wir bekanntlich gar nicht sehen, sondern nur zugetragenbekommen) durch einen Schlangenbiss stirbt – schwanger. Auch schafft sie es nach der nicht gezeigten Geburt noch, kurz von links mit dem zeitlos designten Kinderwagen aufzutreten. Surreal vollziehen die Bühnenmenschen auch bald Bewegungen im expressiven Gleichschritt. Das ist hochsymbolisch – und gleichzeitig herrlich losgelassen, im besten Sinne «sinnlos» und doch sachdienlich: Wir erleben eine tragische Hypnose, ein Trauer-Delirium. Entsprechend liegt ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Arno Lücker
Uraufgeführt wurde Terence Blanchards Oper «Champion» 2013 im (mit 987 Plätzen mittelgroßen) Opernhaus von St. Louis. Nun, nach dem Erfolg von Blanchards «Fire Shut Up in My Bones», kam das Stück in einer «überdimensionalen» Version auf die Bühne der Met. Damit ist der Jazztrompeter und Filmmusikkomponist der erste Schwarze, von dem überhaupt eine Oper an der Met...
Durchs Hagener Theater weht ein leiser Hauch von Buenos Aires. Ein Akkordeon ist es, mit einer wehmütigen Melodie, die auch von Astor Piazzolla stammen könnte. Komponiert hat sie aber Péter Eötvös für seine Tschechow-Oper «Tri sestry», als Inbegriff jener Melancholie, die schon im zugrundeliegenden Theaterstück fast alle Personen ergreift, von Beginn an. Tschechows...
Einer derjenigen, die entdecken, die forschen, schürfen. Einer von denen in der Welt des Musiktheaters, die nicht «loslassen» können, wenn es um Unerforschtes, um Unentdecktes, genauer: um Opern und Opernstoffe geht, die am Rande des manchmal so einfallslos das Immergleiche aufbietenden Repertoires ihr Dasein fristen. Das war Andreas K. W. Meyer.
Meyer, im Juni...
