Mustergültig
Kurz vor der Uraufführung seines «Wölfli-Liederbuchs» meldete sich Wolfgang Rihm mit einer Bitte an die Interpreten zu Wort: Die sieben Stücke sollten «in dynamische Extreme» geführt werden; «wenn dasteht fffpppfff, ist das physische Zuckung ... Ich stelle mir das Ganze vor: karg und glühend, eisig heiß, winterlich ohne Naturbild».
Was der damals (1981) 29-Jährige formulierte, darf nicht nur für seine Auseinandersetzung mit dem Klavierlied als programmatisch gelten – als Bekenntnis eines musikalischen «Triebtäters», der in bewusster Abgrenzung vom systemischen Denken der Darmstädter Nachkriegsavantgarde eine Klangpoetik der spontanen, haptisch-expressiven, aus dem Unbewussten schöpfenden Ent-Äußerung propagierte.
Freilich spricht hier kein Subjekt, das sich aus allen Bezügen heraussprengt, um die eigene Autonomie zu sichern. Rihms schwindelerregende Produktivität speist sich eher aus den Impulsen eines schöpferischen ES, das in einem riesigen Resonanzraum schwingt. Aufs Lied, zumal das «Wölfli-Liederbuch», bezogen heißt das: Natürlich klingen – hintergründig, untergründig – Schubert, Schumann, Brahms, Wolf mit; die Glut des romantischen Klavierliedes ist nicht erloschen. Natürlich ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Albrecht Thiemann
Man muss kein Kinderhasser sein, um die Geschichte von der «Frau ohne Schatten» schwer verdaulich zu finden. Selbst wer das Drama des unerfüllten Kinderwunsches ernst nimmt, kann sich überlastet fühlen, wenn zum Schluss der Richard-Strauss-Oper der Chor der Ungeborenen seine Stimme erhebt. Regisseure flüchten da gern mal in die Ironie und lassen die Kinderwagen...
Der Laden sieht ziemlich schäbig aus: schmuddelig-gelbliche Wän- de, billiges Mobiliar, überall Müll auf dem schachbrettartigen Boden. Und an der dürftigen Theke, hinter der trostlose Kacheln giftgrün schimmern, fehlt selbst das, was sonst in jeder italienischen Bar zu finden ist: die Kaffeemaschine. Einzig der neon-leuchtende Schriftzug im Obergeschoss zeugt...
Französische Operette, das ist in Deutschland fast immer Jacques Offenbach. Der aber war ja eigentlich Kölner und starb bereits 1880, als das Genre stilistisch gerade in voller Blüte stand. Zu Offenbachs Zeit war aber auch ein gewisser Florimond Ronger, genannt Hervé, sehr beliebt, zu dessen bekanntesten Stücken «Le petit Faust» und «Mam’zelle Nitouche» gehören....
