Musentempel? Musenstall!
Schon komisch: Ausgerechnet Cottbus ist in den letzten Jahren zur unbestrittenen Karnevalshochburg der Neuen Länder aufgestiegen. Bis zu 100 000 Menschen feiern jedes Jahr mit. Weil allerdings in Brandenburg während der närrischen Zeit stramm durchgearbeitet wird, findet der «Zug der fröhlichen Leut» jeweils schon am Sonntag vor Rosenmontag statt. Dann hat jeweils auch das En-Suite-Operettenspektakel sein Finale, mit dem das Staatstheater Cottbus das tolle Treiben unterstützt.
2013 fiel die Wahl auf Leo Falls Madame Pompadour – und Regisseur Bernd Mottl erklärt kurzerhand das ganze Große Haus zum «Musenstall», inspiriert vom Namen der Fastnachts-Spelunke aus dem ersten Akt der Fall’schen Historienkomödie. Ins zwielichtige Etablissement eingeschleust werden die Besucher durch die Hintertür. Dann geht es durch schmale Gänge, unterm Bühnenboden hindurch, Treppen rauf und runter bis ins Foyer, wobei kleine Performances vom A-Cappella-Schlager-Chor über eine Karaoke-Station bis hin zur Poledance-Stangenhangelei den Parcours säumen.
Auf der Bühne wiederum steht – verkehrte Welt! – der Theaterbau von 1908 selbst, in seiner ganzen eklektizistischen Herrlichkeit (Bühne: Friedrich Eggert). ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Frederik Hanssen
Die ersten Takte signalisieren Jahrmarkt oder Music Hall, leicht angeschrägt. Man könnte auch an die Klangchiffre eines kreiselnden Roulette-Rades denken: Wir befinden uns in einem imaginären Spielcasino, in «Roulettenburg». Dort spielt, frei nach Dostojewskij, die Oper Der Spieler, ein frühes Projekt Sergej Prokofjews, das er schon 1917 für das Mariinsky-Theater...
Die Aufführung begann um fünf nach vier am Nachmittag. Als nach dem ersten Akt der Applaus einsetzte, war es fünfundreißig Minuten nach fünf, ohne dass unsere Uhr ihren Geist aufgegeben hätte. Das ist natürlich keine präzise Zeitmessung, aber doch eine verblüffende Erkenntnis und sehr wahrscheinlich ein Rekord. Schneller ist der Gral noch nie enthüllt worden –...
Wer sich als Komponist an den Lyriker Nietzsche wagt, begibt sich auf heikles Terrain. Meist machen die Verse selbst schon so viel Musik, dass kein Raum für Vertonungen zu bleiben scheint. Pascal Dusapin (Jahrgang 1955) hat es auf Bitten des Baritons Georg Nigl dennoch versucht – und gleich einen ganzen Nietzsche-Zyklus für Stimme und Klavier geschrieben, der 19...
