Mozart, der Progressive
Erfahrungen mit historischer Aufführungspraxis kommen bei der Dresdner Staatskapelle bislang nur sporadisch zum Zuge. Einzelne der immerhin sechs Mozart-Produktionen im Repertoire der Semperoper sind daher trotz der viel gerühmten Spielkultur der Staatskapelle von durchaus behäbiger Konventionalität. Gemessen daran bietet der neue Dresdner «Figaro» manche Überraschung, ohne die Dresdner Tradition der Klanggestaltung vollends zu revolutionieren. Unter Massimo Zanetti wird in kleiner Besetzung und mit erfrischender Verve aufgetrumpft.
Überzeugend betont Zanetti die unkonventionellen Momente der Partitur, vor allem ihre plötzlichen Stimmungswechsel und emotionalen Schieflagen. Exzellent die Continuo-Gruppe, die mit einem ausgefeilten, von krassen Tempowechseln bestimmten Konzept gerade die Rezitative in spannender Weise zwischen Buffa und Seria oszillieren lässt. Manko einer durchweg überzeugenden Orchesterleistung sind verschiedene Arien, in denen die Sänger etwas zugedeckt werden.
Die in diesem Stück so wichtigen Ensembleszenen sind von bestechender Homogenität. Imponierend zwei Mitglieder des Dresdner Hauses: Markus Marquardt, der den Figaro mit souveräner Eleganz singt und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am Anfang war Astrid Varnay. Ihr verdankte ich den persönlichen Kontakt zu Birgit Nilsson. Ich wollte mit der großen schwedischen Sopranistin über ihr Leben und ihre Kunst reden. Sie hatte sich schon weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, gab nur noch selten Interviews. Ein lapidares Fax aus Schweden erreichte mich, einen Tag nachdem ihre Freundin Astrid...
Die ewigen letzten Fragen, sie sind auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch für eine Oper gut. Nicht, dass die Mär von Doktor Faustus, in vielen Drehungen und Wendungen vom leibhaftigen Mannsbild des fünfzehnten Jahrhunderts (Georg Faust aus Knittlingen) zur Volkssage und schließlich zu einem der meistverhandelten Topoi der abendländischen Literatur avanciert, in...
Die Selbstverständlichkeiten zuerst: Natürlich gibt es wieder viel entblößtes Fleisch zu besichtigen in Calixto Bieitos jüngster Regiearbeit. Visuelle Drastik, ein brachialer, unnachgiebig auf kathartische Schockwirkung setzender kritischer Realismus – diese Essenzen des Bieito-Stils prägen auch bei «Wozzeck» im Haus an den Ramblas die Szene. Da macht sich...
