Monster und Genie

Claire Dederers kundiges, aber sehr persönliches Buch über die Schwierigkeit, Künstler von ihrem Werk zu trennen

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Beschaut man das Cover dieses Buches, man könnte das Fürchten lernen. Der Titel «Genie oder Monster» lässt an einen Psychothriller denken, und das Bild dazu, auf dem zwei Frauen in bester Munch-Manier einen Hilfeschrei auszustoßen scheinen und sich dabei die Ohren zuhalten, wirkt auch nicht eben vertrauenserweckend. Sachlicher, konziser, kla -rer wird es im Untertitel: «Von der Schwierigkeit, Künstler und Werk zu trennen».

Und genau darum geht es Claire Dederer auch in ihrer Studie – um eine Aufklärung darüber, wie ein ethischer und ein ästhetischer Imperativ zusammenpassen könnten, ob also der Sinn für Moral imstande wäre, mit der Liebe zur Kunst eine Liaison einzugehen, ohne das eine gegen das andere auszuspielen. Und ob man ein Kunstwerk lieben kann, das von einem Menschen geschaffen wurde, mit dem man, vorsichtig gesagt, negative (Lebens-)Erfahrungen verbindet.

Die Liste derer, die unter dieses Rubrum fallen, ist lang. Sie reicht von Pablo Picasso bis zu Roman Polański, sie schließt Woody Allen ebenso ein wie Norman Mailer sowie die bekennenden Antisemiten Ezra Pound, Virginia Woolf und natürlich Richard Wagner. All diese Künstlerinnen und Künstler, konzediert die ...

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Opernwelt März 2024
Rubrik: Medien, Seite 30
von Jan Verheyen

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