Monster und Genie
Beschaut man das Cover dieses Buches, man könnte das Fürchten lernen. Der Titel «Genie oder Monster» lässt an einen Psychothriller denken, und das Bild dazu, auf dem zwei Frauen in bester Munch-Manier einen Hilfeschrei auszustoßen scheinen und sich dabei die Ohren zuhalten, wirkt auch nicht eben vertrauenserweckend. Sachlicher, konziser, kla -rer wird es im Untertitel: «Von der Schwierigkeit, Künstler und Werk zu trennen».
Und genau darum geht es Claire Dederer auch in ihrer Studie – um eine Aufklärung darüber, wie ein ethischer und ein ästhetischer Imperativ zusammenpassen könnten, ob also der Sinn für Moral imstande wäre, mit der Liebe zur Kunst eine Liaison einzugehen, ohne das eine gegen das andere auszuspielen. Und ob man ein Kunstwerk lieben kann, das von einem Menschen geschaffen wurde, mit dem man, vorsichtig gesagt, negative (Lebens-)Erfahrungen verbindet.
Die Liste derer, die unter dieses Rubrum fallen, ist lang. Sie reicht von Pablo Picasso bis zu Roman Polański, sie schließt Woody Allen ebenso ein wie Norman Mailer sowie die bekennenden Antisemiten Ezra Pound, Virginia Woolf und natürlich Richard Wagner. All diese Künstlerinnen und Künstler, konzediert die ...
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Opernwelt März 2024
Rubrik: Medien, Seite 30
von Jan Verheyen
Vor dem zweiten Aufzug informiert eine Einblendung darüber, dass den an dieser Produktion beteiligten Tieren kein Leid zugefügt wurde. Das lässt hoffen, den Pferden der Walküren sei nicht zuvor für sie präpariertes Valium verabreicht worden. Seelenruhig stehen sie mitten im allgemein aufgekratzten «Hojotoho!», trappeln gemächlich mal nach links, mal nach rechts und...
Klangtüftler
Kein Zweifel, er ist ein Mann mit vielen Talenten. Torstein Aagaard-Nilsen hat nicht nur Trompete, Musiktheorie und Komposition studiert, sondern zudem Mathematik. Das alles verknüpft er in seinen Werken auch für das Musiktheater zu einem spannenden Ganzen. In Meiningen kommt nun die Ibsen-Vertonung «Gespenster» heraus. Wir fahren hin
Stimmakrobatin
In...
Als Charpentiers «David et Jonathas» im Jahr 1688 am Pariser Collège Louis-le-Grand uraufgeführt wurde, stand die Musik nicht allein für sich: Zwischen die fünf Akte schoben die Zöglinge der (als Lycée bis heute renommierten) Jesuitenschule eine lateinische Tragödie namens «Saül» über den ersten König Israels und sein verlorenes Kriegsglück im Kampf gegen die...
