So viel Glück
In der Bühnenmitte steht eine Art Auge, Linse oder Fokus, darin dreht sich zuweilen Fortunas Rad, meistens aber öffnet sich eine Aussicht, auf das Meer zum Beispiel. Von rechts und links ragen Kulissen hinein wie im Barocktheater, aber sie sind schon ein bisschen beschädigt und ruiniert – als hätte man sie irgendwo gefunden und würde sie jetzt wiederverwenden.
Das Bühnenbild von Vivaldis «Il Giustino», mit dem die Berliner Staatsoper ihre Barocktage eröffnet, enthält schon alle Elemente der Inszenierung von Barbora Horáková: Thilo Ullrichs Szenerie schiebt das Bedeutungsvolle und das Zufällige ineinander; ob und wie diese Versatzstücke zusammenpassen, ist von untergeordneter Wichtigkeit. Das Bühnenbild wirkt unruhig, und das ist die Inszenierung im besten Sinne auch. Eva-Maria Van Ackers Kostüme haben die gleiche Wirkung: Eine Art Barock in der Unterhose auf der einen Seite, daneben aber auch Commedia dell’Arte, Sondereinsatzkommando und Friesennerz. Horáková macht aus Vivaldis Opernbeitrag zum Römischen Karneval des Jahres 1724 eine Nummernrevue von erheblichem Unterhaltungswert. Den eben auch szenisch sichtbaren Fokus legt sie dabei auf die Frage des «Glücks». Doch das greift ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Peter Uehlig
Für die Nüstern des Lesers von Edgar Allan Poes «The Fall of the House of Usher» ist er ein alter olfaktorischer Bekannter: der imaginierte schauerliche Moderduft dieses einen ungelösten Geheimnisses, der die Lektüre der Erzählung aus dem Jahr 1839 dunkel-feucht umhüllt. Ein Brief erreicht darin den Erzähler der Geschichte. Sein blaublütiger Freund ersucht ihn mit...
Am 6. November 2022 war die Premiere von «Die Meistersinger von Nürnberg» an der Oper Frankfurt. Die Story: Nürnberg, 16. Jahrhundert. Am Johannisfest findet der alljährliche Gesangswettbewerb statt. Goldschmied Veit Pogner schreibt die Hand seiner Tochter Eva als ersten Preis für den Gewinner aus. Der Stadtschreiber Sixtus Beckmesser hat schon länger ein Auge auf...
JUBILARE
In trüben Tagen, nämlich exakt zehn Tage vor Hitlers «Machtergreifung» (also am 20. Januar 1933), wurde Barbara Scherler in Leipzig geboren. Scherler studierte Gesang in Berlin und feierte 1959 mit 26 Jahren ihr Debüt an der Staatsoper Hannover, wo sie den Cherubino in Mozarts «Le nozze di Figaro» gab. Nach ihrem Engagement im Ensemble des Hauses in der...
