«Mitteleuropa fehlt der Biss»
Alle zwei Jahre wandelt sich das beschauliche Gütersloh zur Hauptstadt der jungen Gesangskunst. Jeweils im Oktober entscheidet sich in der westfälischen Kommune, Hauptsitz des Medienhauses Bertelsmann, mit wem man künftig auf den Bühnen der Welt rechnen muss. Dann finden in der Stadthalle die Endrunden des Wettbewerbs «Neue Stimmen» statt. Er zählt zu den wichtigsten seiner Art – was schon die glanzvolle Reihe ehemaliger Gewinner beweist, die hier ihre Karriere starteten.
Vesselina Kasarova war eine der Ersten – sie stand 1989 auf dem Podest, Elsa Dreisig ist ein jüngeres Beispiel, sie siegte 2015. Svetlina Stoyanova und Emily D’Angelo, die Siegerin und die Zweitplatzierte des Jahres 2017, stehen heute an der Wiener Staatsoper bzw. an der New Yorker Met unter Vertrag.
Der vor 32 Jahren von Liz Mohn ins Leben gerufene Wettbewerb versteht sich auch als eine Institution, die die Entwicklung junger Sänger mit Auftrittstrainings, Beratungen durch die Jury und Workshops begleitet. «Sie alle hier sind schon jetzt Gewinner», bekräftigte sie zur Begrüßung. Tatsächlich profitieren alle davon, in Gütersloh gehört zu werden, schon wegen der vielen Intendanten und Agenten, die das Geschehen ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Regine Müller
Neugierig macht das Programm der neuesten CD der franko-kanadischen Altistin Marie-Nicole Lemieux mit drei selten zu hörenden Orchesterlieder-Zyklen des Fin de Siècle allemal. Ernest Chaussons berückendes «Poème de l’amour et de la mer» wird dabei umrahmt von Edward Elgars herben «Sea Pictures» und der Erstaufnahme der allegorischen «Ode symphonique» «La Mer» des...
Man fühlt sich in den pastoralen Chor- und Chanson-Sätzen an die schöne Schlichtheit Glucks, in den Arien an die Seelentiefe und den Buffo-Geist Mozarts erinnert. Man genießt die tänzerische Champagnerspritzigkeit und die effektpralle Kontrastdynamik der französischen Barockoper, dazu die tollen Terzette, die lustvolle Lautmalerei. Und doch kommt uns kaum eine Note...
Frau Pluhar, vor vier Jahren haben Sie in Utrecht «Dido and Aeneas» von Henry Purcell dirigiert, eine ziemlich schräge halbszenische Aufführung. Dürfen die Besucher im Schlosstheater Schwetzingen Ähnliches erwarten?
Damals gab es lediglich eine konzertante Aufführung. Es freut mich natürlich, dass unsere zugegebenermaßen unkonventionelle Interpretation von «Dido...
