Güte mit Kalkül

Mozart: La clemenza di Tito
Wien | Theater an der Wien

Opernwelt - Logo

Einer der Erfolgssongs der Pop-Gruppe Erste Allgemeine Verunsicherung provozierte mit dem Refrain: «Einmal möchte ich ein Böser sein, eine miese Sau.» Ein erfüllbarer Wunsch, wie ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt. Auch Titus Flavius Vespasianus (39-81) war nicht jener Gutmensch, als der er in Mozarts letzter Oper beworben wird. So ließ er Jerusalems Tempel zerstören, und die Erbarmungslosigkeit, mit der er gegen Aufrührer (auch gegen vermeintliche) vorging, trug ihm den Ruf des Schlächters ein.

Außerdem konsolidierte er die Staatskasse durch massive Steuererhöhungen, was schon damals nicht als Mildtätigkeit empfunden wurde. Allerdings wirkte er auch durch Wohltaten, unter anderem an den Opfern des Vesuv-Ausbruchs im Jahr 79 – was Erwähnung in «La clemenza di Tito» fand.

Zwiespalt herrscht denn auch in dieser Oper, was Regisseur Sam Brown in seiner sachlich-abstrahierten Inszenierung am Theater an der Wien wahrzunehmen sucht. Er konzediert, dass Titus’ vermeintliche Güte auch als politisches Kalkül verstanden werden mag, und dass die Begnadigung der Gegner des Herrschers zugleich deren seelische Hinrichtung bedeuten konnte. Das emotionelle Wechselbad des Titelhelden zwischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Stürmische Intensität

Er ist ein Außenseiter. Von der Dorfgemeinschaft misstrauisch beäugt. Auch wenn Peter Grimes am Anfang das Zentrum bildet auf der Bühne des Mannheimer Nationaltheaters. Es besteht kein Zweifel, dass er gegen das Wüten der anderen am Ende keine Chance haben wird. Zwar wird Brittens verstrickter Schmerzensmann aus Mangel an Beweisen freigesprochen, doch für die...

Premieren Dezember 2019

Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats Dezember 2019. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/

ML = Musikalische Leitung
I =...

Apropos... Lus auf Oper

Frau Pluhar, vor vier Jahren haben Sie in Utrecht «Dido and Aeneas» von Henry Purcell dirigiert, eine ziemlich schräge halbszenische Aufführung. Dürfen die Besucher im Schlosstheater Schwetzingen Ähnliches erwarten?
Damals gab es lediglich eine konzertante Aufführung. Es freut mich natürlich, dass unsere zugegebenermaßen unkonventionelle Interpretation von «Dido...