Meister und Doriclea: Emőke Baráth und Dirigent Andrea De Carlo; Foto: Festival/Valerio Nicolosi
Mit vereinten Kräften
Dass zwei Festivals am selben Strang ziehen, ist ein Glücksfall für Italien – normalerweise bestimmt scharfer Wettbewerb den Umgangston. Doch in dieser Hinsicht hatte das vor 40 Jahren gegründete Festival Barocco di Viterbo in letzter Zeit ohnehin keine guten Karten.
Weil man sich meist auf Nachwuchskräfte aus den USA verließ, die für ihre Mitwirkung auch noch zahlen sollten? Weil so immer weniger interessante Produktionen ins Programm fanden, was nicht zuletzt die frühe Oper betraf, eigentlich die Kernkompetenz Viterbos? Wachsender Unmut im Publikum veranlasste die Stadt, für das Programm 2017 beim höchst umtriebigen Festival Alessandro Stradella im 40 Kilometer südlich gelegenen Nepi anzuklopfen. Man schloss sich zusammen – und schuf damit nicht nur die größten Festspiele ihrer Art in Italien, sondern gleich eine ganze Barock-Region, die auch Baudenkmäler in der Provinz Viterbo und bis hinunter nach Rom einbezieht.
Den musikalischen Schwerpunkt bildet die Römische Schule des 17. Jahrhunderts: Im ersten Jahr kamen eine Oper, ein Oratorium und 17 Konzerte auf die Bühne, gerahmt von Konferenzen, Vorträgen, Meisterklassen. Für Finanzierung, Logistik und Talentsuche legten sich ...
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Wenn uns die (Musik-)Geschichte eines lehrt, dann dieses: Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Auch all jene Musenkinder, die der Wiedereröffnung der Berliner Lindenoper sehnsuchtsvoll entgegengefiebert hatten, sahen sich, nolens volens, mit dieser Einsicht konfrontiert. Denn in die berechtigte Freude über die Tatsache, dass sieben Jahre im Charlottenburger...
Erstmals wurde der Deutsche Dirigentenpreis in diesem Jahr als internationaler Wettbewerb ausgeschrieben. Inhaltlich entscheidend war eine Öffnung in Richtung Oper. Die Kandidaten hatten nicht nur ein anspruchsvolles Konzertprogramm zu bewältigen, das von Haydn bis zu Messiaens «Chronochromie» und Birtwistles extrem schwerem «Silbury Air» reichte. Sie mussten sich...
Schon beeindruckend, wie der südkoreanische Tenor Seungju Bahg den Belcanto-Schmelz in Nemorinos «Una furtiva lagrima» vor dem etwas plumpen Donizetti-Zugriff des Orchesters der Norske Opera rettete. An den jungen Pavarotti erinnert das Timbre der schlanken Stimme – ein massiger Sänger, der die Töne blühen lässt, Linien in schönem legato zieht, feinste...
