Mit Googles Hilfe
Der Mann, der sich Parsifal nennt, leidet an Realitätsverlust, was beim Patienten einer Nervenheilanstalt nicht überrascht. «Wie dünkt mich doch die Aue heut’ so schön», schwärmt er angesichts des jugendstilaffinen, aber kitschig-banalen Landschaftsbildes in Pastell, das da auf einen aus dem Schnürboden herabgefahrenen Hänger projiziert wird. Und der diensthabende Arzt – im eifrigen Bestreben, die Vision seines Patienten nicht zu desavouieren – assistiert ihm: «Das ist Charfreitag’s Zauber, Herr.
»
Das ist aber auch, gut zwei Wochen vor Ostern, die Premiere der Neuinszenierung von Richard Wagners Schwanengesang durch Alvis Hermanis an der Wiener Staatsoper. Und sie findet komplett im Saale statt, in den Räumlichkeiten (inklusive der Kirche) des notorischen Otto-Wagner-Spitals für Nerven- und Geisteskranke. In einem Interview deutete Hermanis an, woher er seine Inspiration bezog: Wenn man die Begriffe «Wagner» und «Wien» googelte, meinte er, finde man einerseits Richard, andererseits Otto. Den Komponisten und den Architekten.
Mit Googles Hilfe, so scheint’s, stückelte der Lette sein Konzept aus Topoi des Wiener Fin de Siècle: Jugendstil, die Couch Sigmund Freuds und das erwähnte ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Gerhard Persché
Eines verbindet die drei neuen Kammeropern, die das Opera Forward Festival dieses Jahr zeigte: In den Libretti wimmelt es nur so von Schimpfwörtern. Der Schriftsteller Douglas Adams erfand für sein «Hitchhiker»-Universum einst eine Drehbuch-Auszeichnung für «den überflüssigsten Gebrauch des Wortes fuck. Gäbe es einen solchen Preis – hier sind drei Kandidaten.
Eige...
Stockholm oder Boston? Der stellvertretende Hausherr entscheidet sich zunächst für einen italienischen Operettenstaat, was im ersten Bild zu den üblichen Augenschmerzen führt. Danach hat Operndirektor Horst Kupich, der diesen Verdi eigenhändig inszeniert, seinem Ausstatter weitgehend Farbenverbot verordnet: nur noch rot und schwarz, dazu etwas weiß! Die Sache läuft...
Als Serge Dorny, Intendant der Opéra de Lyon, im Herbst 2013 von der damaligen sächsischen Kunstministerin Sabine von Schorlemmer als neuer Chef der Dresdner Semperoper präsentiert wurde, hatte er sich für das traditionsbewusste Haus und die auf ihre ruhmreiche Geschichte mächtig stolze Stadt etwas ganz Besonderes ausgedacht: eine Wieder-Holung szenischer Arbeiten,...
