Für Kenner und Liebhaber
Norbert Miller, von 1972 bis 2005 Professor für Deutsche Philologie und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Technischen Universität Berlin, hat als offener, souveräner Geist weit über sein Fachgebiet hinaus Leser gefunden. Wer einmal die Regalreihen seiner Bibliothek in seinem Haus am Berliner Schlachtensee entlangstreifen durfte, wundert sich nicht, dass sein Interesse, aber auch sein Wissen schier grenzenlos ist und von der Aufklärung bis in die Gegenwart reicht.
Gemeinsam mit seinem Lehrer Walter Höllerer hat er Jean Paul wieder ins lebendige Bewusstsein gehoben, Goethe und Heinse, Fielding und Nerval herausgegeben, das «Literarische Colloquium Berlin» und die Zeitschrift «Sprache im technischen Zeitalter» mitbegründet, sich – horribile dictu für seine Fachkollegen – aber auch mit als bildungsbürgerlich verachteten Poeten wie Paul Heyse, Emanuel Geibel und Ferdinand von Saar beschäftigt. Alle seine Bücher – darunter das großartige Epos «Der Wanderer» über Goethes Reisen in Italien und die beiden Monografien über die präromantischen Exzentriker und Ahnväter der englischen Schauerliteratur, Horace Walpole und William Beckford – sind, wie es im 18. Jahrhundert hieß, stets ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Uwe Schweikert
Es geht ihm durchaus um Schönheit, Wahrheit, musikalische Logik, nicht jedoch um Konsens und Konsum. Lange haftete Helmut Lachenmann das Etikett des Zerstörers, Verweigerers, des «Geräuschkomponisten» an. Noch bei der Uraufführung seines «Mädchens mit den Schwefelhölzern» 1997 in Hamburg polemisierte der «Spiegel» unverhohlen. Inzwischen wurde das Stück in ganz...
JUBILARE
Philippe Herreweghe kam 1947 in Gent zur Welt und absolvierte sein Abitur am örtlichen Jesuitenkolleg. Danach studierte er am Konservatorium seiner Heimatstadt bei Marcel Gazelle (Klavier), Johan Huys (Cembalo) und Gabriel Verschraegen (Orgel). Der musikalischen Ausbildung schloss sich eine wissenschaftliche in den Fächern Medizin und Psychiatrie an. 1970...
Der knapp zwei Jahrzehnte ältere «Palestrina» von Hans Pfitzner inkorporiert eigentlich eher die Grünewald’sche Flügelaltar-Gestalt. Aber eine deutliche Zeitspanne nach dem Ersten Weltkrieg war ein symmetrisch gebauter Dreiakter auch als Wagner-Reminiszenz obsolet. Hindemiths «Mathis der Maler» ähnelt also mehr dem offeneren dokumentarischen Stil von Mussorgskys...
