Zukunftswerkstatt?
Eines verbindet die drei neuen Kammeropern, die das Opera Forward Festival dieses Jahr zeigte: In den Libretti wimmelt es nur so von Schimpfwörtern. Der Schriftsteller Douglas Adams erfand für sein «Hitchhiker»-Universum einst eine Drehbuch-Auszeichnung für «den überflüssigsten Gebrauch des Wortes fuck. Gäbe es einen solchen Preis – hier sind drei Kandidaten.
Eigentlich befassen sich Mohammed Fairouz’ «The New Prince», Moritz Eggerts «Caliban» und Calliope Tsoupakis «Fortress Europe» mit den drängendsten Fragen unserer Zeit: Immigration, Kolonialismus, Vertreibung, überhaupt Angst vor dem Anderen. Dabei stellen sie unfreiwillig die große Hilflosigkeit im Umgang mit diesen Fragen aus – indem sie von einem Klischee ins nächste stolpern. Das Ergebnis ist im besten Fall bevormundend. Und im schlimmsten total daneben.
Ein eleganter Gang durchs Minenfeld gelingt einzig «And You Must Suffer», einer Koproduktion des Festivals mit dem Belgischen Theaterkollektiv Transparent. Musikalische Qualität garantiert Bachs «Johannespassion» – doch auch die Ergänzungen von Annelies Van Parys und Samir Odeh-Tamimi zeichnen sich durch eben die Frische, Tiefe und Vielschichtigkeit aus, die den anderen ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Shirley Apthorp
Fast möchte man Sandra Leupolds grandios durchgearbeitete Bühnenerzählung mit dem Titel «Histoire du soldat» versehen: So machtvoll und eindeutig in seiner Schwäche und Verletzlichkeit stand Max noch selten im Zentrum einer «Freischütz»-Interpretation. Wie die Figur von Ramuz und Strawinsky hat er sich teuflischer Übermächte zu erwehren, mehr aber noch von den...
Als sich zur Ouvertüre der Vorhang im Auditorium de Dijon hebt, glimmt Hoffnung auf: neues Konzept! Eine Rückblende deutet darauf hin, dass Sarastro eigentlich Paminas Vater ist und Papageno deren früh verlassener Bruder. Die Handlung spielt nach einer Umweltkatastrophe: Die Welt ist zur Wüste geworden, sämtliche Relikte der kapitalistischen Wirklichkeit liegen...
Der knapp zwei Jahrzehnte ältere «Palestrina» von Hans Pfitzner inkorporiert eigentlich eher die Grünewald’sche Flügelaltar-Gestalt. Aber eine deutliche Zeitspanne nach dem Ersten Weltkrieg war ein symmetrisch gebauter Dreiakter auch als Wagner-Reminiszenz obsolet. Hindemiths «Mathis der Maler» ähnelt also mehr dem offeneren dokumentarischen Stil von Mussorgskys...
