Zukunftswerkstatt?

Das Opera Forward Festival in Amsterdam stellt neue Stücke von Mohammed Fairouz, Moritz Eggert und Calliope Tsoupaki zur Diskussion. Einziger Lichtblick: komponierte Anmerkungen zu Bach von Annelies Van Parys und Samir Odeh-Tamimi

Eines verbindet die drei neuen Kammeropern, die das Opera Forward Festival dieses Jahr zeigte: In den Libretti wimmelt es nur so von Schimpfwörtern. Der Schriftsteller Douglas Adams erfand für sein «Hitchhiker»-Universum einst eine Drehbuch-Auszeichnung für «den überflüssigsten Gebrauch des Wortes fuck. Gäbe es einen solchen Preis – hier sind drei Kandidaten.

Eigentlich befassen sich Mohammed Fairouz’ «The New Prince», Moritz Eggerts «Caliban» und Calliope Tsoupakis «Fortress Europe» mit den drängendsten Fragen unserer Zeit: Immigration, Kolonialismus, Vertreibung, überhaupt Angst vor dem Anderen. Dabei stellen sie unfreiwillig die große Hilflosigkeit im Umgang mit diesen Fragen aus – indem sie von einem Klischee ins nächste stolpern. Das Ergebnis ist im besten Fall bevormundend. Und im schlimmsten total daneben.

Ein eleganter Gang durchs Minenfeld gelingt einzig «And You Must Suffer», einer Koproduktion des Festivals mit dem Belgischen Theaterkollektiv Transparent. Musikalische Qualität garantiert Bachs «Johannespassion» – doch auch die Ergänzungen von Annelies Van Parys und Samir Odeh-Tamimi zeichnen sich durch eben die Frische, Tiefe und Vielschichtigkeit aus, die den anderen ...

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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Shirley Apthorp

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