Mit den Augen eines Kindes

Das Holland Festival präsentiert in Amsterdam mit «aus Licht» gut die Hälfte von Stockhausens Zyklus, Regie führt Pierre Audi, die musikalische Leitung liegt bei Kathinka Pasveer

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Gebratzte Posaunentöne fallen über die Trompeten her. Straucheln, weichen zurück, formieren sich neu. Ein Tenor ruft zum Gegenangriff: Stählerne Fanfaren schießen aus neun Trichtern, am Himmel kreisen Elektroklänge, zwischen den Fronten die Hörer. Vor, hinter und neben ihnen rennen und stolpern behelmte Instrumentalisten vorüber, Stühle erzittern unter Explosionen.

Der «Dienstag» aus Karlheinz Stockhausens Opernzyklus «Licht» ist der Tag des Krieges.

Im zweiten Akt kämpfen Teufel-Posaunisten gegen Michael-Trompeter, jeweils flankiert von Schlagzeuger und Synthesizer, angeführt vom «Bass-Kommandant» und vom «Tenor-Offizier». Die achtspurige elektronische Komposition «Oktophonie» liefert spacig-gruselige Klänge dazu.

Neben Stockhausens Opernzyklus «Licht» wirkt selbst Wagners «Ring» überschaubar. Sieben Opern, benannt nach den sieben Wochentagen, rund 30 Stunden Musik, geschrieben für Sänger, Tänzer, Elektronik, (Kinder-)Chöre, Instrumentalisten – und vier Hubschrauber im «Helikopterstreichquartett». Es geht um alles. Um Gott und Menschen, Licht und Schatten, christliche Mythologie und fernöstliche Reinkarnation, um Liebe, Lust und Leiden, um Eva, Michael und Luzifer.

Eine ...

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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Thilo Braun

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