Unvergesslich
Vier Spielzeiten lang hat die Oper Bonn sich um den frühen Verdi bemüht. Jetzt rückt seine mittlere Schaffenszeit der 1850er-Jahre in den Fokus. Den Anfang machen «Les vêpres siciliennes», der zweite Anlauf des Komponisten, in Paris mit einer französischen Grand Opéra zu reüssieren. Musikalisch schließt man in Bonn keine Kompromisse und spielt den Fünfakter, der den sizilianischen Volksaufstand gegen die französische Fremdherrschaft im Jahr 1282 mit einem emotionalen Individualdrama verknüpft, fast strichlos.
Allerdings ist dem britischen Regie-Routinier David Pountney zur Handlung und zum zentralen Vater-Sohn-Konflikt zwischen dem französischen Gouverneur Montfort und seinem illegitimen Sohn Henri wenig eingefallen. Raimund Bauers Szene dominieren drei wuchtige leere Bilderrahmen, die zu ständig wechselnden Positionen zusammen- und auseinandergeschoben werden. Mit ihrer abstrakten Ästhetik erdrücken sie das Stück. Mal geht es fantastisch, mal realistisch zu – die Franzosen wie aus einem barocken Kostümfilm geborgt, die Sizilianer in moderner schwarzer Alltagskluft, eingangs mit bloßen Händen den spiegelnden Bühnenboden schrubbend, Montfort auf einem Jagd-Hochsitz thronend, später ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Uwe Schweikert
Die Götter sind unter uns. Wie der Actionheld eines Blockbusters wirft Herkules die Gestalten der Unterwelt von ihren langen Stelzenarmen und -beinen, auf denen sie in der Bayerischen Staatsoper in spindeldürrer Schwärze einherschreiten. Erst danach führt Apoll im strahlend weißen Kaftan das Paar wieder zusammen, das er zuvor bis über die Grenze des menschlich...
Wie leicht, wie oft entfährt sie uns, die Rede vom Besonderen, Herausgehobenen, Unvergleichlichen. Diese hochgejazzte Floskelsprache der Superlative, die, wenn nicht das Beste, Schönste, Wahrhaftigste, so zumindest das Unterhaltsamste, Köstlichste, Abgefahrenste verheißt. Wie der Abend- und Morgenstern vom grauen Firmament soll sich das glitzernde Lametta eines...
Er sei kein Komponist, der tagespolitische Musik erfinde. Das sagte Georg Katzer des Öfteren und ergänzte, dass ihm direkte politische Wirkungen eher fern lägen. Gleichwohl kündet aus dem Gros der weit über 100 Werke des 1935 in Schlesien Geborenen eine klare Botschaft: Wach sein, ästhetisch wie politisch. Allerdings müssen die Werke auch wirklich gehört, mithin...
