Mit den Augen eines Kindes

Alejo Pérez, Johan Simons und Hans Op de Beeck sezieren an der Opera Vlaanderen in Antwerpen Verdis «Don Carlos»

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Dieser Don Carlos ist schon ein seltsamer Kronprinz: Muskulös, im T-Shirt und mit schwarzer Fönfrisur, sieht er aus wie ein ragazzo di vita aus Filmen von Pier Paolo Pasolini. Und während er inmitten von Verdis Liebes- und Staatsaktion immer auf der Bühne weilt, scheint er doch fast unbeteiligt in seiner eigenen Welt zu leben. Es ist die Welt eines Todkranken, der auf sein Leben zurückblickt  – aber auch die Welt eines Kindes, das sich nach Zuneigung und Zuwendung sehnt, die ihm von seinem stur auf die Macht und ihre starren Regeln fixierten Vater, König Philipp II.

, permanent verweigert werden. In diesem kühlen Herrscherkalkül will sich Carlos einfach nicht zurechtfinden. Stattdessen hat er sich in kindlichen, von Schmutz und Blut unbefleckten Bilderwelten eingerichtet.

Der belgische Bildhauer und Installationskünstler Hans Op de Beeck lässt im Antwerpener Opernhaus naive Landschaften mit Wäldchen, Burgen und Bogengängen (für das Kloster San Yuste) als Videos vorbeilaufen, Carlos verschiebt vergitterte Kinderzimmerbetten, selbst beim grausamen Autodafé im dritten Akt ist keine Verbrennung der Ketzer zu sehen, sondern ein Skulpturenpark mit überdimensionalem Spielzeug im ...

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Opernwelt November 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Michael Struck-Schloen

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