Zahnlos

Schostakowitsch: Die Nase
Hamburg | Staatsoper

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Die Tonart verheißt nichts Gutes. As-Moll, das erinnert weniger an Frühsommerduft als vielmehr an Trübsal, Tristesse und Tragik. Eben die herrscht nun hörbar auch im karg möblierten Schlafzimmer des Kollegienassessors Kowaljow: Schluchzende Glissandi der Posaunen, Violinen, Oboen und Klarinetten dominieren dieses Adagio, ja selbst die Harfe seufzt, und das ist ja fürwahr kein Wunder: Platon Kusmitsch hat sein Riechorgan verloren. Schwupps, weg ist es. Eine Katastrophe, die ihn beinahe in den Wahnsinn treibt.

Und Schostakowitsch zu einem seiner berühmt-berüchtigten musikantischen Galopprennen animierte, die, nach scharfer enharmonischer Verwechslung, mit Hilfe von Xylofon, Trompeten, Geigen und einer Balalaika in ein gewaltiges Tohuwabohu mündet.

Nur: Man hört davon kaum etwas in der Hamburgischen Staatsoper. Matt und müde klingt das Orchester, nicht nur an dieser Stelle. Schon die Ouvertüre besitzt kaum die nötigen grell-scharfen Konturen; wie ein netter Abendspaziergang wirkt diese eigentlich forsch-freche Marschparodie, mit welcher der Geniestreich des jungen Komponisten anhebt. Zwei Möglichkeiten: Entweder hat es sich Kent Nagano zum Ziel gesetzt, der Musik die Zähne zu ...

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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Jürgen Otten

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